Der von den USA wegen seiner Enthüllungen gejagte Ex-Geheimdienstler Edward Snowden muss weiter um eine sichere Zuflucht bangen. Die Bundesregierung prüfte die Aufnahme des US-Bürgers, macht ihm aber keine großen Hoffnungen. Am Abend schließlich hieß es seitens des Auswärtigen Amtes und des Bundesinnenministeriums: "Die Voraussetzungen für eine Aufnahme liegen nicht vor." Der 30-Jährige hatte Deutschland und 19 weitere Länder am Dienstag um politisches Asyl gebeten.

Berlin und das EU-Parlament erhöhten unterdessen den Druck auf die USA, die mutmaßliche Datenspionage auch in diplomatischen Einrichtungen aufzuklären. Die Fraktionsvorsitzenden des EU-Parlaments wollen am Donnerstag über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses entscheiden.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sagte der ARD: "Die Vereinigten Staaten von Amerika spionieren jeden und alles aus und meinen, das sei rechtens." Das sei aber nicht rechtens, sondern schlicht eine Provokation. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte Datenspionage durch den US-Geheimdienst. Für die Wirtschaft müsse es verlässliche Rahmenbedingungen geben. Dazu gehöre, "dass man nicht ausspioniert wird - egal von wem", sagte die Regierungschefin am Dienstag beim Besuch des Maschinenbauers Trumpf in Ditzingen.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte: "Wirtschaftsspionage unter engen Partnern ist nicht akzeptabel. (. . .) Sollte der Verdacht zutreffen, muss das abgestellt werden." Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, bisher gebe es keine Beweise oder Fakten, sondern nur Medienberichte, dass die Bundesregierung, deutsche Botschaften oder deutsche Internetknoten ausgespäht wurden. Wäre dies der Fall, wäre das eine Verletzung der Souveränitätsrechte Deutschlands.

Am Wochenende reist eine deutsche Delegation in die USA, um Aufklärung zu erhalten. Außenminister Guido Westerwelle telefonierte nach Informationen von "Spiegel online" mit US-Außenminister John Kerry und mahnte zügige Antworten an.

Die EU-Kommission hält ungeachtet der Spionagevorwürfe gegen Washington am Start der Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit den USA fest. Wie eine Sprecherin der EU-Behörde am Dienstag nach der Sitzung des Kollegiums in Straßburg mitteilte, werde man aber von EU-Seite aus deutlich machen, "dass es für einen Erfolg einer solchen umfassenden und ehrgeizigen Verhandlung Vertrauen, Transparenz und Klarheit zwischen den Gesprächspartnern geben muss".

Friedrich hatte nach Bekanntwerden von Snowdens Asyl-Ersuchen skeptisch reagiert. Asyl im eigentlichen Sinne könne er nicht beantragen, weil er dazu bereits in Deutschland sein müsste, erklärte der Minister. Unabhängig davon seien die USA ein Rechtsstaat, insofern zählten völkerrechtliche und humanitäre Argumente nicht.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück forderte die ordnungsgemäße Prüfung eines Asylantrags gefordert. "Ich warne davor, etwas aus der Hüfte abzuschießen, was einem solchen Asylbewerberverfahren vorgreift - das geht nicht", sagte er in Trier.

Die Grünen verlangten laut "Spiegel Online" von Kanzlerin Merkel eine Aufenthaltserlaubnis für Snowden. Er habe Praktiken enthüllt, die gegen elementare Grundrechte verstießen und einen schweren Vertrauensbruch zwischen Verbündeten darstellten.

Linke-Chefin Katja Kipping sagte in einem Interview: "Snowdens Verhalten zeugt nicht nur von Zivilcourage - es ist dem eines Friedensnobelpreisträgers würdig." Mehrere EU-Länder und Indien lehnten seinen Asyl-Antrag bereits ab. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro rief in Moskau dazu auf, Snowden unter internationalen Schutz zu stellen: "Er hat niemanden getötet, sondern nur die Wahrheit gesagt."