Doch die jüngsten Meinungsumfragen zeigen, dass die Affäre um angebliche Schmiergelder bei einem Militärauftrag dem Chef der heutigen Mitte-Rechts-Koalition eher genutzt als geschadet hat. Vor der morgigen Parlamentswahl liegt Jansas SDS-Partei in der Gunst der 1,7 Millionen Wahlberechtigten mit einem möglichen Stimmenanteil zwischen 25 und knapp 30 Prozent - in verschiedenen Umfragen - noch etwas besser als bei ihrem Wahlsieg vor vier Jahren.

Noch bis zum Sommer hatten die oppositionellen Sozialdemokraten (SD), die heute auf 20 bis 22 Prozent Zustimmung kommen, klar in Führung gelegen. Doch ihr Vorsitzender, der ehemalige Dressman Borut Pahor, war in dem jetzt mit harten Bandagen geführten Wahlkampf regelrecht untergegangen. Der 44-Jährige achte zu sehr auf sein Aussehen und wohlgeformte Reden statt auf Inhalte, so die Vorwürfe an seine Adresse. Es gelang ihm bisher nicht, die vergleichsweise hohe Inflation in Slowenien zum Wahlkampfthema zu machen.

Schmiergeldskandal polarisiert"Das ist der schmutzigste Wahlkampf, den das unabhängige Slowenien je erlebt hat", klagte Ministerpräsident Jansa. In der Tat hat die Schmiergeldaffäre die politischen Lager polarisiert wie schon lange nicht mehr, sind sich die heimischen Kommentatoren einig. Mit dazu beigetragen hat eine elfstündige Sondersitzung des Parlaments, die auf zwei von drei Kanälen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders TVS live übertragen wurde. Dort präsentierte sich Jansa als entschlossener Kämpfer für ein Slowenien, das von den alten kommunistischen Seilschaften befreit werden müsse.

Das Erstarken von Jansa, der am Mittwoch seinen 50. Geburtstag feierte, könnte jedoch seinen bisherigen Bündnispartnern in der Regierung Stimmen wegnehmen, geben die Wahlforscher zu bedenken. So könnte die konservative NSI-Partei von Finanzminister Andrej Bajuk, die bei der vergangenen Wahl noch auf neun Prozent der Stimmen gekommen war, sogar an der Vier-Prozent-Hürde scheitern. Demgegenüber konnte die Rentnerpartei von Verteidigungsminister Karel Erjavec, die schon bisher in der Jansa-Regierung saß, mit knapp zehn Prozent sogar leicht zulegen.

Umfragen sehr unsicherDie Sozialdemokraten erfüllt mit Sorge, dass ihre möglichen Bundesgenossen zersplittert antreten. Die LDS des in diesem Jahr gestorbenen Staatspräsidenten Janez Drnovsek war bei der vergangenen Wahl mit knapp 23 Prozent der Stimmen noch klarer Zweiter geworden. Jetzt buhlen zwei Nachfolgeparteien um die Gunst der Wähler, die zusammen in den Meinungsumfragen nur noch knapp 18 Prozent erreichen. Doch alle Umfragen bei der endgültigen Verteilung der 90 Sitze im Parlament (Drzavni Zbor) in der Hauptstadt Ljubljana seien mit vielen Fragezeichen versehen, sodass der Ausgang bis zuletzt ungewiss bleibe, heißt es bei den Wahlexperten.