Seit knapp einem Jahr stellen zwölf Künstler aus Deutschland, Polen, Italien und Österreich mehr oder weniger skurrile Projekte in den öffentlichen Raum rechts und links des Flusses. Das von der Kulturstiftung des Bundes, der Stadt Frankfurt (Oder) und der Wohnbau Frankfurt (Oder) mit mehr als 100 000 Euro geförderte Projekt geht Ende Juni zu Ende.
Aus zwei mach eins, dachte sich der Erfinder der Fantasie-Stadt, Michael Kurzwelly, entlehnte den Städtenamen je eine Silbe und kreierte Slubfurt. "Slubfurt verbindet zwei Kulturen, Sprachen und Realitäten in zwei Ländern", erläutert Kurzwelly, Projektleiter und zugleich selbst ernannter Stadtführer der "einzigen deutsch-polnischen Grenzstadt". Der 42-Jährige führt Touristen durch die Teile "Slub" und "Furt", die sich auf gedachtem Areal in der Zwillingsstadt befinden. In Slubice steht bereits ein Stückchen Slubfurter Stadtmauer, in Frankfurt soll eines aufgebaut werden.

Vom Rhein an die Oder
In den künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten des nicht unumstrittenen Projektes geht es um Grenzen, Identität, Migration, Regionalität und Globalisierung. "Wir behaupten einfach, hier in Slubfurt zu sein", erklärt Kurzwelly. Er selbst sei durch das Leben in verschiedenen Kulturen und Sprachen geprägt, wohnte viele Jahre in Polen und kam vom Rhein an die Oder. Slubfurt habe er entwickelt, weil er sich in der Region als Neuankömmling wohl fühlen wollte.
Kurzwelly machte Slubfurt mit Aktionen bekannt, produzierte Postkarten, einen Film und Videos und verkauft im Informationszentrum echten Slubfurter Rotwein. Freiwillige konnten in Slubice probe wohnen. Stündlich erinnert ein krähender Hahn über Lautsprecher auf der Stadtbrücke, dass er das Wappentier beider Städte ist. Das imitierte "Kikiriki" entstammt einem grenzübergreifenden Tierstimmen-Wettbewerb. Mit Hilfe von Studenten der Europa-Universität Viadrina - dort hat Kurzwelly einen Lehrauftrag - erscheint regelmäßig eine zweisprachige Zeitung.
Während sich die Masse der Frankfurter nicht besonders um das Projekt kümmert, wertet Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) die Aktion auch als Beginn einer grenzübergreifenden Städteentwicklung. "Das kann nur ein Auftakt sein, der mental und beispielhaft an verschiedenen Stellen die gemeinsame Stadtentwicklung anstoßen soll", sagt er. Danach müsse die Alltagsarbeit beginnen.
Auch für den Slubicer Bürgermeister Ryszard Bodziacki ist das Projekt von Bedeutung. Es habe dazu beigetragen, dass sich die Menschen näher gekommen seien und besser kennen lernten, meint er. In seiner Stadt habe es nur positive Reaktionen gegeben. Anders am westlichen Oderufer: Fahnen, die der Verein in der Hauptgeschäftsstraße mit Porträts und zweisprachigen Statements von Einwohnern beider Städte aufzog, wurden zerstört. Während in Slubice die zwölf Fahnen hart am Wind flattern, ist von den 24 auf deutscher Seite keine unversehrt geblieben.

Bisher 60 Slubfurter
Mit dem Projekt "Slubfurt City?" ist eine Einbürgerung in den auf keiner offiziellen Landkarte verzeichneten Ort möglich. Rund 60 Leute nutzten die Chance und können sich als Slubfurter ausweisen. Der Ausweis mit der Nummer eins gehört einem Lebensmittelhändler, der nicht an der Oder wohnt. "Ich bin Europäer", sagt Siegfried Ehrentraud aus Salzwedel (Sachsen-Anhalt). Als der 53-Jährige von dem Projekt im Radio hörte, war er begeistert. Nicht nur, weil er eine Freundin aus Slubice hatte und Polnisch lernte. "Ich bin für Verständigung." Kunstprojekt im Internet: www.slubfurt.net