Nachdem vorgestern aus Protest gegen die Wiedererrichtung des 1968 gesprengten Gotteshauses der Rektor der Leipziger Universität Volker Bigl sein Amt niedergelegt hatte (die RUNDSCHAU berichtete), gaben gestern auch die drei Prorektoren Monika Krüger, Helmut Papp und Franz Häuser ihre Posten auf. Der Kanzler der Universität Peter Gutjahr-Löser rechnet nicht vor Mai mit der Neuwahl der Rektoren durch das Konzil der Universität. Bisher seien ihm als Wahlleiter keine Kandidaten bekannt.
Unterdessen hat die sächsische Regierung Äußerungen aus der Führungsetage der Uni zum angeblich rigorosen Vorgehen in Dresden zurückgewiesen. "Weder Wortlaut noch Intention des Kabinettsbeschlusses können eine Erklärung für die Rücktritte sein, wenn man an einer vorurteilsfreien und ergebnisoffenen Debatte teilnehmen will", sagte Regierungssprecher Christian Striefler.
Sachsens Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) kündigte an, auf die Universität zugehen zu wollen, nachdem Bigl ein geplantes Treffen am Donnerstag spontan abgesagt hatte. "Wir haben das gemeinsame Ziel bis 2009 einen architektonisch einmaligen Hochschulkomplex in Leipzig zu errichten", sagte Rößler. Er betonte noch einmal, dass der Universität durch den Beschluss des Kabinetts kein Nachteil entstehen werde. Es sei noch nicht klar, ob der Entwurf der Architekten Martin Behet und Roland Bonzio aus Münster wegen der Einbeziehung der Paulinerkirche lediglich überarbeitet oder ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben werden muss.
Das sächsische Kabinett hatte am Dienstag beschlossen, den Wiederaufbau der Paulinerkirche im Zuge der Neugestaltung des Komplexes zu befürworten. Die Universität soll dafür die entsprechende Fläche bereithalten. Die Hochschule lehnt dies strikt ab. Sie favorisiert einen Neubau, bei dem an die Universitätskirche erinnert wird. Das Universitätsgelände soll bis 2009 anlässlich des 600-jährigen Bestehens der Alma mater neu gestaltet werden.
Die PDS-Fraktion hat eine Sondersitzung des Wissenschafts- und Hochschulausschuss des Landtages gefordert. Er soll sich umgehend mit der eskalierenden Auseinandersetzung um den Wiederaufbau der Paulinerkirche beschäftigen, teilte die Fraktion mit. (dpa/bra)