Sie vertritt die ehemalige Chefin des Rechtsamtes, die mit zwei weiteren Mitarbeitern und einer Rechtsanwältin wegen Untreue angeklagt ist. Alle Angeklagten wiesen über ihre Anwälte den Vorwurf zurück.

In der Stadt Leipzig war es jahrelang Praxis, für brachliegende Grundstücke und Häuser sogenannte gesetzliche Vertreter zu bestellen. Diese veräußerten die Immobilien, die Erlöse wurden auf städtische Konten eingezahlt und verwahrt. Das Problem daran: Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wurde versäumt, nach den rechtmäßigen Erben zu suchen - obwohl diese leicht zu ermitteln gewesen wären und sogar namentlich bekannt waren. Zudem seien Häuser unter Wert verkauft worden. In einem Fall war die angeklagte Rechtsanwältin zur gesetzlichen Vertreterin bestimmt worden.

Die Anklageschrift listet fünf Immobilien auf. Dazu kommen 45 Fälle, in denen zwar das Geld von den Verwahrkonten an Erben ausgezahlt wurde, nicht jedoch die Zinsen, die angehäuft worden waren. Außerdem hat das Rechtsamt laut Staatsanwaltschaft in 173 Fällen keine Verwaltungsgebühren festgesetzt - das sei eine Untreue zum Nachteil der Stadt Leipzig.

Die Anklagebehörde geht insgesamt von mehreren Hunderttausend Euro Schaden aus - entweder für die Erben oder die Stadt. Verteidigerin Reisert sagte, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien "unhaltbar". Ein Motiv und ein Zusammenwirken der Angeklagten seien nicht ersichtlich. "Ein Schaden kann auch nicht belegt werden", erklärte sie. Im Rechtsamt seien zwar Fehler gemacht worden. Aber: "Fehlerhaftes Arbeiten ist zum Glück nicht strafbar."