Der Organspende-Skandal hat die Spendenbereitschaft auch im Osten dramatisch sinken lassen. 2012 habe es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur noch 119 Organspender gegeben, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mit. 2011 seien es in diesen drei Bundesländern noch insgesamt 166 Spender gewesen. Die Zahl der gespendeten Organe sei von 488 im Jahr 2011 auf 374 gesunken. Das Vertrauen in die Organspende sei durch die Manipulationsfälle in mehreren Transplantationszentren massiv erschüttert worden, sagte der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste.

Bundesweit erreichte die Spendenbereitschaft den niedrigsten Stand seit 2002. Im vergangenen Jahr hätten 1046 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, 12,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor, bilanzierte die DSO. Die Zahl der gespendeten Organe sei von 3917 (2011) auf 3508 gesunken. Pro eine Million Einwohner hätten im vergangenen Jahr 12,8 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, ein Jahr zuvor seien es noch 14,7 gewesen.

Am deutlichsten sei der Rückgang im zweiten Halbjahr nach Bekanntwerden von Manipulationen in mehreren deutschen Transplantationszentren gewesen. Diese Vorfälle seien durch nichts zu entschuldigen, rügte DSO-Vorstand Kirste. "Mit großer Sorge sehen wir allerdings, dass im Zuge dessen auch das Vertrauen in die postmortale Organspende massiv erschüttert wurde und die nachlassende Spendenbereitschaft das eigentliche Grundproblem, den Organmangel, weiter verschärft." Bundesweit warteten rund 12 000 Menschen dringend auf eine Transplantation.

"Die Zahlen sind sehr bedrückend", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Für die sinkende Spendenbereitschaft sei die Bundesregierung verantwortlich: "Der Bundesgesundheitsminister hat bisher nichts unternommen, um das dringend notwendige Vertrauen in das Transplantationssystem herzustellen."

Rainer Hess, seit Jahresbeginn hauptamtlicher DSO-Vorstand, appellierte an alle, für mehr Transparenz zu sorgen und über eine strengere Qualitätssicherung künftig einen Missbrauch des Systems zu verhindern.