Als Pierre Brice sich im Juni mit 86 Jahren in die "ewigen Jagdgründe" verabschiedete, waren seine Fans tief betroffen. Als Darsteller des Apachen-Häuptlings Winnetou galt der gebürtige Franzose einer ganzen Generation als Inbegriff von Mut, Treue und Fairness. An diesem Wochenende wird der persönliche Nachlass von Pierre Louis Baron de Bris in einer "Vermächtnis-Auktion" versteigert. "Pierre hat mich immer gelehrt, loszulassen - mich von Dingen zu trennen und sie mit anderen zu teilen", sagt die 66 Jahre alte Witwe Hella Brice.

In einer Industriehalle in Mühlenbeck, in der Prärie nördlich von Berlin, sind 1547 Erinnerungsstücke ausgestellt, sauber beschriftet und mit Nummern versehen. Glanzstück ist die legendäre Silberbüchse, die Brice sich nach dem Filmoriginal aus den 60er-Jahren aus einem Winchesterstutzen fertigen ließ und mit silbernen Nägeln mit dem Buchstaben "W" verzierte. Sie war auf allen Karl-May-Festspielen von 1976 bis 1998 sein treuer Begleiter.

Um ein Indianerzelt in der Nähe stehen zwischen Zaumzeug, Federschmuck und Friedenspfeifen Winnetous aus Pappe, daneben lebensgroße Figuren mit von Brice selbst entworfenen und bemalten Lederkostümen, Mokassins und Stulpenstiefeln. Ein besonders reich mit Perlen besticktes Oberteil stammt aus dem Zweiteiler "Winnetous Rückkehr". Die Schmauchspuren einer Gewehrkugel direkt am Herzen erinnern daran, dass der Häuptling einst in den Armen seines Blutsbruders Old Shatterhand gestorben war, nach Fanprotest aber wieder auf die Leinwand zurückkehrte.

Witwe Hella will einen Teil des Erlöses an die Initiative "future4children" stiften, die missbrauchten Frauen und Mädchen in Südindien ein neues Zuhause geben will. "Pierres Anliegen ist es immer gewesen, den Schwächsten zu helfen. Dieses war sein letztes Hilfsprojekt, deshalb will ich das in seinem Sinne fortführen", sagt seine Frau.