Reden im Bundestag, mit dem Koalitionspartner, mit Kollegen aus Washington, Paris oder Peking - aber eben auch mit den Bürgern. "Ich finde es richtig, wenn Politiker (bei Veranstaltungen) vom Schützenfest bis zur Feuerwehr auftauchen", sagt Gabriel - auch wenn das manchmal "eine Scheiß-Arbeit" sei.

Aber mit Pegida reden? Dass er am Freitagabend bei einer Veranstaltung der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung eine Stunde lang mit Anhängern des islamkritischen Bündnisses sprach, hat eine heftige Debatte vor allem in der eigenen Partei ausgelöst.

Der von Gabriel als privat deklarierte Überraschungsbesuch hat viele in der SPD überrascht. Zwar wurde im Willy-Brandt-Haus in internen Runden über die Option eines Ausflugs nach Dresden gesprochen. Aber dass Gabriel tatsächlich dort aufkreuzen würde, haben offensichtlich nur wenige erwartet.

Vor allem Generalsekretärin Yasmin Fahimi bringt der Parteichef und Vizekanzler damit in eine schwierige Lage. Zwar sind sich beide einig, dass man nicht mit den Organisatoren reden sollte. Fahimi hatte aber auch einen Dialog mit den Anhängern der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" bisher klar abgelehnt.

Ihre Haltung bekräftigte sie in einem Interview für die Samstagsausgabe der "Frankfurter Rundschau", das bereits vor dem Gabriel-Auftritt in Dresden geführt wurde. "Wer mündig ist, trägt Verantwortung für seine Taten und dafür, wem er hinterherläuft. Deswegen möchte ich in keinen Dialog treten mit Leuten, die Stimmung schüren gegen Migranten, gegen Ausländer und gegen Andersdenkende."

Am heutigen Montag dürfte die Klärung der SPD-Position und eine stimmige "Sprachregelung" Thema der Telefonschalte des Präsidiums sein. Einige in der Partei betrachten die jüngsten Alleingänge Gabriels mit Sorge - zuletzt sorgte ein Aufruf für eine Großdemo gegen islamistischen Terrorismus für Unmut bei anderen Parteien.

Gabriel sagte dazu: "Mein Rat ist jedenfalls, das zu tun, was seit Langem erforderlich ist: dass wir mit Menschen, die Sorgen haben, tabulos reden." Er wolle verstehen, was die Frust-Bürger hier bewegt