Die Erweiterung des sorbischen Siedlungsgebiets schreitet voran. Voraussichtlich am 7. Dezember soll der Hauptausschuss des Brandenburger Landtags über weitere Orte beraten, die auf Antrag des Sorben- und Wendenbeirats im Potsdamer Landtag dem Siedlungsgebiet zugefügt werden sollen.

Wie die Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Forschung und Sorbenbeauftragte der Landesregierung, Ulrike Gutheil, am Dienstag im Sorbenrat berichtete, sei das Ministerium der Auffassung, dass es für acht Orte hinreichende Belege sorbischen Lebens gebe, um sie als Teil des Siedlungsgebietes zu definieren.

Dies seien die Gemeinden und Ämter Alt-Zauche-Wußwerk, Felixsee, Märkische Heide, Neupetershain, Schwielochsee, Spreewaldheide und Schlepzig. Nicht ausreichend seien die Belege dagegen für die Orte Bronkow, Golßen und Unterspreewald gewesen.

Im Sorbenbeirat gab es zudem eine lebhafte Diskussion über die Folgen einer Kreisgebietsreform.

So warnte etwa das Sorbenratsmitglied Ute Henelowa davor, dass Sorben und Wenden im Falle der Kreisneugliederung eine Minderheit in der Minderheit werden würden. "Es wäre schwer, in den neuen Kreisen funktionierende Strukturen aufzubauen."

Den Sorben und Wenden würde damit ein Todesstoß versetzt. "Ich sehe einfach nicht, warum die Kreisneugliederung so des Teufels sein soll und was dabei mit konkreten Verlusten verbunden wäre", sagte dagegen der Referatsleiter im Ministerium für Inneres und Kommunales, Markus Grünewald.

Daneben debattierten die Mitglieder des Sorbenrates erneut über die Situation des Sorbischunterrichts und des Witaj-Programms an Brandenburger Schulen. Einer Mitarbeiterin des Bildungsministeriums zufolge werden zum ersten Februar drei Referendariatsplätze für angehende Sorbischlehrerinnen geschaffen, die voraussichtlich am Niedersorbischen Gymnasium zum Einsatz kommen. Man habe aber auch großen Bedarf für Sorbischlehrer an anderen Schulformen.

Wie der Vorsitzende des Sorbenrates, Torsten Mak, sagte, hätten im Wintersemester insgesamt drei Studentinnen in Leipzig ein Lehramtsstudium mit dem Fach Niedersorbisch begonnen. Zwei davon wollen Grundschullehrerinnen werden, eine strebe das Lehramt am Gymnasium an.

Insgesamt nehmen dem Ministerium zufolge derzeit 1607 Schüler in Brandenburg am Sorbischunterricht teil, davon sind etwa 1100 an Grundschulen. Die größte Zahl der Sorbischschüler findet sich nach Angaben von Schulrat Michael Koch an der Grundschule Burg, wo 161 Kinder Sorbisch lernen. In Sielow sind es 140 und in Briesen 90.

Dagegen werde der derzeit mit sieben Lehrerwochenstunden geplante Sorbischunterricht an der Grundschule Peitz im Schuljahr 2017/2018 nur schwer zu halten sein. Dort werden derzeit nur vier Schüler in Sorbisch unterrichtet.