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Bahnverkehr weiter eingeschränkt
Sturm Xavier fordert vier Todesopfer in Brandenburg

Ein stark beschädigter Kleintransporter steht am 5.10.2017 auf der L19 zwischen Lindow und Schöneberg (Brandenburg). Nach Polizeiangaben war durch den Sturm „Xavier“ ein Ast durch die Windschutzscheibe gefallen und hatte den Fahrer getötet.
Ein stark beschädigter Kleintransporter steht am 5.10.2017 auf der L19 zwischen Lindow und Schöneberg (Brandenburg). Nach Polizeiangaben war durch den Sturm „Xavier“ ein Ast durch die Windschutzscheibe gefallen und hatte den Fahrer getötet. FOTO: Christian Pörschmann / dpa
Berlin. Tief „Xavier“ tötet mindestens sieben Menschen. Allein in Brandenburg sind vier Menschen ums Leben gekommen. Nach wie vor ist der Zugverkehr in den betroffenen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein massiv eingeschränkt. Die Lausitzer Feuerwehr ist weiterhin mit der Beseitigung von Sturmschäden beschäftigt.


Das Sturmtief „Xavier“, das am Donnerstag über Deutschland hinweggezogen ist, hat in Brandenburg vier Menschen das Leben gekostet.

Ein 72 Jahre alter Mann wurde bei Hoppegarten von einem Baum erschlagen, als er Äste von der Straße entfernen wollte. Nahe Gransee nördlich von Berlin fiel ein Ast in eine Windschutzscheibe und tötete einen Menschen. Zudem wurde in derselben Region eine Frau in einem Auto von einem Baum erschlagen. Ein weiterer Mensch kam bei Müllrose ums Leben.

Sturmtief Xavier hinterlässt Chaos FOTO:

Insgesamt kostete Xavier sieben Menschen das Leben. In Berlin starb eine Frau, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. In Hamburg wurde ebenfalls in einem Wagen eine 54-jährige Frau getroffen und getötet. Das Opfer hatte als Beifahrerin darin gesessen. In der Nähe von Schwerin wurde ein Lastwagenfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Bahnverkehr weiter eingeschränkt

Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in Berlin und Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sowie die wichtigen Fernverkehrsstrecken Berlin-Hamburg sowie Berlin-Hannover ein. Auch aktuell gibt es Einschränkungen. „In Berlin und Brandenburg sind weiterhin zahlreiche Strecken gesperrt. Im gesamten S-Bahnnetz kommt es zu massiven Beeinträchtigungen“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Deutschen Bahn. Während der Nacht seien hunderte Mitarbeiter mit 20 Reparaturzügen im Dauereinsatz gewesen, um die blockierten Strecken von umgestürzten Bäumen freizuräumen und Oberleitungen zu reparieren. Die DB arbeite weiterhin mit Hochdruck an der Beseitigung der Sturmschäden.

Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) meldet auf ihrer Internetseite, dass ein Großteil der Züge, darunter auch der von vielen Pendlern genutzte RE2 Cottbus-Berlin-Wismar, bis voraussichtlich 12 Uhr ausfallen wird. Betroffen sind unter anderem auch die Verbindungen zwischen Cottbus und Forst, Zittau und Cottbus und Görlitz und Bischofswerda.

Fahrgäste stehen am 05.10.2017 auf dem Hauptbahnhof in Berlin in einer Warteschlange an einem Informationsschalter der Deutschen Bahn an. Nach dem Sturm gibt es etliche Einschränkungen im Zug- und S-Bahn-Verkehr.
Fahrgäste stehen am 05.10.2017 auf dem Hauptbahnhof in Berlin in einer Warteschlange an einem Informationsschalter der Deutschen Bahn an. Nach dem Sturm gibt es etliche Einschränkungen im Zug- und S-Bahn-Verkehr. FOTO: Gregor Fischer / dpa

Auch die Feuerwehr ist weiterhin im Dauereinsatz. Die Beseitigung der Sturmschäden, laufe weiterhin auf Hochtouren heißt es in der Leitstelle Lausitz. Dort ließ Sturmtief Xavier die Leitungen heißlaufen, es sind 3493 Notrufe (insgesamt 4667) Anrufe eingegangen, die Kameraden rückten zu mehr als 1100 Einsätzen aus, teilt die Leitstelle Lausitz heute Morgen auf Twitter mit.

Die Berliner Feuerwehr arbeitete zwischen 16 Uhr und 19 Uhr 705 Einsätze ab und rief den Ausnahmezustand aus. In Hamburg habe die Feuerwehr in zwei Stunden mehr als 700 sturmbedingte Einsätze gehabt, sagte ein Sprecher. Das sei normalerweise die Zahl eines ganzen 24-Stunden-Tages. Bis zum späten Nachmittag waren es dann bereits über 900 Einsätze. Die Hamburger Feuerwehr die Bevölkerung zeitweise auf, wegen des Sturms nicht vor die Tür zu gehen.

In mehreren Bahnhöfen in Deutschland strandeten Hunderte Menschen. Besonders viele schienen es beispielsweise im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe zu sein, weil Schnellzüge aus dem Süden in Richtung Norden dort gestoppt wurden. Dieser Verkehrsstopp sei am Nachmittag verhängt worden, sagte ein Bahnsprecher in Berlin.

Die Bahn habe in Kassel Hotelzüge bereitgestellt für rund 1000 Menschen. Die Gestrandeten bekämen Kaffee, Tee und Getränke.
Anderes Beispiel: Etwa 400 Fahrgäste eines Zugs von Amsterdam nach Berlin strandeten in Bad Bentheim in Niedersachsen an der Grenze zu den Niederlanden. Feuerwehr und Rotes Kreuz brachten die Bahnreisenden in die Sporthalle eines Gymnasiums, die zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde, wie der Kreisbrandmeister sagte.

Spitzengeschwindigkeiten von 180 Stundenkilometern

Bei mehreren Flughäfen war der Betrieb ebenfalls beeinträchtigt. Besonders heftig wehte der Wind im Oberharz und auf dem Brocken. Dort warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor extremen Orkanböen. Es seien bereits Spitzengeschwindigkeiten von knapp 180 Kilometern pro Stunde auf dem Brocken gemessen worden, sagte ein DWD-Meteorologe in Leipzig. Auch über flacheren Regionen brauste „Xavier“ hinweg.

Der öffentliche Nahverkehr in der Hauptstadt war lahmgelegt. Der S-Bahn- und Busverkehr wurde eingestellt. Straßenbahnen und oberirdische U-Bahn-Strecken wurden ebenso nicht mehr befahren.

Auch der S-Bahnverkehr in Hamburg wurde zeitweise eingestellt. U-Bahnen mussten auf oberirdischen Strecken ihr Tempo drosseln. „Warnung für Hamburg. Halten Sie sich aktuell nicht im Freien auf, bleiben Sie im geschützten Bereich“, twitterte die Feuerwehr.

Viele Reisende stiegen angesichts der Streckensperrungen im Fernverkehr auf Reisebusse um. Wie ein Flixbus-Sprecher sagte, stieg die Zahl der Buchungen von und nach Hamburg im Vergleich zur Vorwoche um rund 45 Prozent. Die Strecke Hamburg-Bremen sei durchweg ausgebucht gewesen. In Taxizentralen herrschte genauso Hochbetrieb.

Auch in Hannover und anderen Städten Niedersachsens rückten die Einsatzkräfte wegen verunglückter Autofahrer, umgestürzter Bäume und abgerissener Dachverkleidungen aus. In Sachsen-Anhalt stürzten Bäume in Stromleitungen. Im Norden des Bundeslandes waren Tausende Haushalte ohne Strom. Besonders betroffen war die Altmark, wie eine Sprecherin des Netzbetreibers Avacon sagte.

(dpa/lsc)