Vom Schicksal einer Zwangsverheiratung blieb sie verschont – ihre Familie war fortschrittlich und gebildet. Doch als der Gründer der Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“, Karlheinz Böhm, die junge Viehzuchtexpertin bei seinem Projekt im Erer-Tal im Osten des Landes ernsthaft und voller Respekt um ihre Einschätzung und ihren Rat bat, war das für die damals 23-jährige Almaz eine Revolution. Gleichberechtigung mit einem Mann, das war in den 1980er-Jahren in Äthiopien außerhalb der Tagesordnung.

Seit fast einem Vierteljahrhundert sind die beiden inzwischen ein Paar, leben mit den beiden fast erwachsenen Kindern Nicolas und Aida bei Salzburg. Zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung hat die 47-jährige Almaz von ihrem 83-jährigen Mann die Leitung der Organisation komplett übernommen.

Bei einer Feier am Samstagabend in München übernahm sie offiziell den Vorstandsvorsitz. Rund 300 Freunde und prominente Botschafter feierten das Jubiläum der Äthiopienhilfe, die Böhm am 13. November 1981 gegründet hatte. Böhm, der nun Ehrenvorsitzender ist, nahm wegen eines Infekts nicht teil. Bereits seit 2004 war Almaz Böhm Vorsitzende des Stiftungsrates. 2008 legte Karlheinz Böhm auch das Tagesgeschäft in ihre Hände.

In Europa hält sie Vorträge über die Arbeit der Stiftung. In ihrem Heimatland, das sie mehrmals im Jahr besucht, kümmert sie sich persönlich um die verschiedenen Projekte, ist in deren Planung und Durchführung eingebunden. Als Äthiopierin vertrauen ihr die Menschen – sie spricht ihre Sprache und kennt ihre Lebensumstände.

Die Veränderungen in ihrem Land, nicht zuletzt initiiert von ihrem Mann und „Menschen für Menschen“, sind auch für Almaz Böhm überraschend. Vor allem im Hinblick auf die Frauen sei die Entwicklung regelrecht „revolutionär“. Almaz Böhms Hoffnung ist, dass sich „Menschen für Menschen“ irgendwann zurückziehen kann, weil die Äthiopier die Hilfe nicht mehr brauchen.