Eigentlich sind sie es, die andere Menschen vor den Gefahren heraneilender Züge warnen sollen: Sicherheitsposten, kurz Sipos genannt. In orangefarbener Montur stehen sie während Bauarbeiten an den Gleisen und blasen in ihr Signalhorn, wenn sich ein Zug nähert. Die Bauarbeiter haben so genügend Zeit, die Schienen zu verlassen.

Selbst Opfer dieses Bahnverkehr-Risikos ist am Montagabend ein Streckenwärter in der Nähe des Calauer Bahnhofes geworden. Der 41-jährige Mann aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz verlor bei dem Job sein Leben. Sein 37-jähriger Kollege wurde schwer verletzt und ist im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus notoperiert worden. Wie es zu dem tragischen Unfall kommen konnte, ist noch unklar. Polizei und Deutsche Bahn halten sich wegen laufender Ermittlungen bedeckt.

Der Zug hatte zwar Waggons des Airport-Express Schönefeld im Einsatz, war aber aus Leipzig nach Cottbus unterwegs, als er die beiden Männer auf der Bahnhofsbaustelle erfasste und in einen Graben schleuderte.

Die beiden Streckenposten einer von der Deutschen Bahn beauftragten Firma sicherten an diesem Abend eine relativ kleine Baustelle ab. Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage mitteilte, seien dort nach Umbauarbeiten die Weichen und Gleise gestopft und nachreguliert worden. Das sei eine relativ kleine Maßnahme gewesen, bei der es üblich sei, mit Streckenposten zu arbeiten. Bei Baustellen, die länger als einen Tag andauern, werde ein elek tronisches Sicherheitssystem an den Gleisen montiert: sogenannte Rottenwarnanlagen. Wenn ein Zug über den Kontakt in der Schiene fährt, wird ein Mechanismus ausgelöst. Rundumleuchten und laute Signaltöne an den Geräten warnen dann die Bauarbeiter. Der Zug wird dabei automatisch gebremst.

In Calau aber sei dieses System aufgrund des geringen Bauumfangs nicht zum Einsatz gekommen. Normalerweise müsse der zuständige Fahrdienstleiter dem Streckenposten einen Sicherheitshinweis über Funk oder Handy geben. Ob das hier der Fall gewesen sei, dazu wollte sich der Bahnsprecher nicht äußern.

Sipos kommen häufig aus dem Wach- und Sicherheitsgewerbe oder aus dem Baugewerbe. Wenn sie nicht im Rahmen einer Ausbildung zum Sicherungsposten qualifiziert wurden, müssen sie eine entsprechende Fortbildung absolvieren. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, zu überwachen, ob tatsächlich alle Gleisbauarbeiter die Gleise verlassen. Wenn es nicht möglich ist, eine Baustelle rechtzeitig zu räumen, müssen sie dem Lok- oder Fahrzeugführer das Nothaltsignal geben, damit der Zug gestoppt wird.

Die Zahl der auf Bahnschienen Verunglückten ist in Deutschland seit Jahren rückläufig. Während es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 1990 insgesamt 1602 Unfälle mit Personenschaden gegeben hat, bei denen 256 Menschen getötet wurden, waren es im Jahr 2011 noch 474 Unfälle mit 152 tödlich Verunglückten.

Die Deutsche Bahn sei neben dem Flugzeug eines der sichersten Transportmittel, sagte ein Bahn-Sprecher. Ob es regionale Schwerpunkte von tödlich Verunglückten gibt, lässt er aber offen.