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Sicherheitslage in Guben und Forst bessert sich

Als "super" bezeichnet der Polizeichef von Südbrandenburg, Sven Bogacz, die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen an der Grenze.
Als "super" bezeichnet der Polizeichef von Südbrandenburg, Sven Bogacz, die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen an der Grenze. FOTO: dpa
Cottbus. Durch gemeinsame Anstrengungen von Polizei, Verwaltung und Bürgerschaft geht die Kriminalität in den beiden Grenzorten weiter zurück Simone Wendler

Es sind Fälle wie dieser, die in einer Kleinstadt für Angst sorgen. Vor drei Wochen wurde in Guben ein 87-Jähriger zu Hause überfallen, geschlagen, gefesselt und in seiner Wohnung eingesperrt. Erst als sein Auto einen Tag später auf der polnischen Neiße-Seite in Gubin auffiel, befreite die Polizei den Senior aus seiner hilflosen und bedrohlichen Lage. Der mutmaßliche Täter, ein junger Mann, wurde einen weiteren Tag später von polnischen Beamten in Gubin gefasst.

Trotz dieses brutalen Raubes ist die Kriminalität in Guben und Forst insgesamt in der ersten Hälfte des Jahres weiter deutlich zurückgegangen. Wie Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Freitag in Potsdam mitgeteilt hatte, reduzierten sich die erfassten Straftaten in Guben um 21, in Forst sogar um 30 Prozent. Landesweit waren es rund fünf Prozent, um die sich die erfassten Straftaten verringerten.

Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro (CDU) bestätigt, dass sich die Erfolge in der polizeilichen Statistik auch im Lebensgefühl der Bürger zeigen. Die Maßnahmen, die von Kommune und Stadt angeschoben wurden, griffen. "Der Rückgang der Kriminalität in Guben ist spürbar, wir sind aber noch immer nicht da, wo wir hin wollen", so Mahro. Die Anstrengungen müssten fortgesetzt werden.

Viele Bürger setzten jedoch bereits mit um, was vom Präventionsrat der Stadt angeschoben werde: Sicherung von Wohnungen und Gewerbegrundstücken, bessere Beleuchtung von Wegen und Plätzen. "Es gibt hier inzwischen einen Tischler, der sich auf die Anfertigung besonders einbruchssicherer Türen spezialisiert hat", nennt der amtierende Gubener Rathauschef ein Beispiel.

2015 hatte die Polizeidirektion Süd zusammen mit den Stadtverwaltungen von Guben und Forst mit gezielter Prävention und verstärkter Streifentätigkeit auf einen deutlichen Kriminalitätsanstieg in den beiden Grenzstädten reagiert. Schon sechs Monate später, Ende 2015 war die Wirkung in Guben und Forst zu spüren. Die Zahl der Straftaten ging um 18 Prozent zurück. Die Aufklärungsquote stieg gleichzeitig deutlich auf über 50 Prozent an. "Wir haben einen ständigen Kontakt in die Rathäuser und die Zusammenarbeit mit unseren polnischen Kollegen klappt super", lobt Sven Bogacz, Chef der Polizeidirektion Süd, jetzt zwei Jahre später.

Die Verstärkung der örtlichen Beamten durch Bereitschaftspolizisten soll aufrecht erhalten werden, soweit die aktuelle Situation es zuließe. In Cottbus sei mit dem Stadthallenvorplatz jedoch inzwischen ein neuer Brennpunkt aufgetaucht, der verstärkt Kräfte binde, so der Polizeichef.

Bogacz verweist jedoch auch darauf, dass es deutliche Unterschiede zwischen Guben und Forst gebe. Seit fünf Jahren ginge in Forst die Zahl ausländischer Tatverdächtiger zurück. Gleichzeitig steige die Zahl einheimischer mutmaßlicher Krimineller. "Dahinter steht keine Grenz-, sondern Beschaffungskriminalität", so Bogacz. Forst habe ein massives Drogenproblem. Das belegte auch die Zahl der Autofahrer in Forst, die unter Drogeneinfluss am Steuer sitzen.

Die Geldbeschaffung für den wachsenden Drogenkonsum, so der Südbrandenburger Polizeichef, treibe die Zahlen von Diebstählen und Einbrüchen in Forst in die Höhe. Dass dieses Problem nicht nur mit polizeilichen Mitteln bekämpft werden kann, habe auch die Stadt verstanden. Vorige Woche wurde eine Drogen- und Suchtpräventionsberatung in Forst eröffnet.

Parallel dazu will die Polizei ihre Aktivitäten in Forst auf die Bekämpfung der Beschaffungskriminalität und den Rauschgifthandel konzentrieren. Auch in Forst gebe es für die dortige Problematik nicht eine schnelle, einfache Lösung, so Bogacz. Ein ganzes Maßnahmenbündel sei nötig, um die Beschaffungskriminalität zurückzudrängen: "Wir hoffen, dass wir in einem Jahr in Forst so weit sind wie in Guben."