„Wir sind auf alle Arten der Bedrohungen vorbereitet“, sagte der Sprecher des Organisationskomitees, Sun Weide. „Es gibt ein Risiko für die Olympischen Spiele, aber deshalb haben wir Hunderte Pläne ausgearbeitet.“ Unter anderem hat die chinesische Armee mehr als 34 000 Soldaten, 121 Flugzeuge und Hubschrauber sowie 33 Kriegsschiffe im Einsatz, um Zwischenfälle bei den von Freitag bis zum 24. August dauernden Wettkämpfen zu verhindern. An den Olympischen Spielen nehmen 10 000 Athleten aus aller Welt teil. Insgesamt werden etwa eine halbe Millionen ausländischer Besucher zu dem Sportereignis erwartet.
Die chinesischen Behörden machten gestern erstmals direkt islamistische Terroristen für die Attacke in der Stadt Kashgar in der muslimisch geprägten Region Xinjiang verantwortlich. Das Sicherheitsministerium erklärte in Peking, die beiden festgenommenen Attentäter hätten Dokumente mit sich geführt, in denen zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen werde. Außerdem deute der verwendete Sprengstoff auf die uigurische Rebellengruppe Islamische Bewegung Ostturkestan hin.
Nach chinesischen Angaben waren die beiden Angreifer, die der muslimischen Volksgruppe der Uiguren angehören sollen, am Montag mit einem Kleinlaster in eine Gruppe von 70 Grenzpolizisten gerast und hatten zwei Granaten geworfen.
Unabhängige Angaben zu dem Anschlag in Xinjiang waren nur schwer zu erhalten. In Kashgar sperrten die örtlichen Behörden gestern den Internetzugang. Polizisten zwangen einen Fotografen der Nachrichtenagentur AFP, Fotos vom Anschlagsort zu löschen. Beamte in Zivilkleidung folgten Journalisten, die sich in der Stadt umsahen.
Für Wirbel sorgte ein Erlass zur ausländischen Berichterstattung vom Tiananmen-Platz in Peking. Demnach werden Journalisten „ermutigt“, sich 24 Stunden vorher anzumelden, wenn sie auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum der chinesischen Hauptstadt Interviews oder Fotos machen wollen. Ihnen werde dann ein chinesischer Begleiter zur Seite gestellt. Zunächst hatte es geheißen, die Regelung sei für Journalisten zwingend. Der Tiananmen-Platz ist ein Symbol für die Unterdrückung der Demokratiebewegung in China, seit die Nationale Volksarmee dort im Sommer 1989 Studentenproteste brutal niederschlug.
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), reiste zu Gesprächen mit Vertretern der Zivilgesellschaft, Kirchen und Medien in die chinesische Hauptstadt. Nooke wollte sich vor Beginn der Olympischen Spiele ein Bild von der Lage der Menschenrechte und der allgemeinen Situation machen. Nach Angaben seines Sprechers kam der CDU-Politiker gestern mit Athleten im Olympischen Dorf zusammen. Gespräche mit chinesischen Regierungsvertretern standen den Angaben zufolge nicht auf dem Programm. (AFP/kr)
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