Für die Anklage steht die Schuld fest. Sie fordert sieben Jahre Haft.

Doch international steht das Verfahren als politischer Schauprozess in der Kritik. Freilich lehnt der von EU und USA bedrängte Staatschef Viktor Janukowitsch, der einige Rechnungen mit Timoschenko offen hat, einen Eingriff in das Verfahren als widerrechtlich ab.

Das Prozessende gegen die seit zwei Monaten in Untersuchungshaft sitzende Timoschenko war immer wieder verschoben worden. „Innenpolitisch geht es für Janukowitsch darum, sein Gesicht nicht zu verlieren. Aus diesem Grund kann er Timoschenko nicht einfach freilassen“, sagt der Politologe Wladimir Fessenko.

Eine Verurteilung wäre aus Sicht des Westens ein Wendepunkt in den Beziehungen zur Ukraine, die bisher unter den Ex-Sowjetrepubliken noch verhältnismäßig viel demokratische Freiheiten hat. Auch wegen der Sorge um die Errungenschaften der Orangenen Revolution von 2004 unter Timoschenko ist der Druck der EU und der USA so deutlich wie nie in den 20 Jahren Unabhängigkeit. Der Westen warnt Janukowitsch davor, sein Land in die Isolation zu führen.

Das Einwirken westlicher Regierungen sei „außerordentlich wichtig und nützlich“, sagt Timoschenkos Tochter Jewgenija Carr. Sie fürchtet, dass ihre Mutter verurteilt wird, „um sie aus dem politischen Leben zu entfernen“.

Der Westen stört sich besonders daran, dass sich die Strafjustiz in der Ukraine augenscheinlich einseitig politische Gegner Janukowitschs vornimmt. Der Präsident steht im Verdacht, Timoschenkos Partei als einzige noch ernstzunehmende Oppositionskraft vor den Parlamentswahlen im nächsten Jahr ausschalten zu wollen. Mit Timoschenko auf der politischen Bühne hingegen muss Janukowitsch um eine zweite Amtszeit bei der Präsidentenwahl im Jahr 2015 fürchten.