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| 03:58 Uhr

Sex-Gangster aus Jänschwalde in Spanien gefasst

Es ist vorbei mit der spanischen Sonne für Peter Horn (62), dem verurteilten Sex-Gangster aus Jänschwalde. Von Wolfgang Swat

Seit Monaten mit internationalem Haftbefehl gesucht, wurde er am Sonnabend im spanischen Torrax in der Nähe der andalusischen Küstenstadt Malaga aufgespürt und verhaftet. Der entscheidende Hinweis kam nach der jüngsten Ausgabe der ZDF-Fahndungsserie „Aktenzeichen XY - ungelöst“ am vergangenen Freitag von einem Ehepaar, in dessen Haus in Spanien er unlängst Elektroarbeiten erledigt hatte.

Flucht vor dem Gefängnis
Ursprünglich hätte Peter Horn längst in einem deutschen Gefängnis sitzen sollen. Das Landgericht Cottbus hatte den 62-Jährigen am 11. September 2001 zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt, weil er ein kleines, zwölf Jahre altes Mädchen mehrfach brutal sexuell missbraucht und vergewaltigt hatte. Gegen das Urteil der dritten Großen Strafkammer des Cottbuser Landgerichtes war Horn in Revision gegangen und hatte sich darüber hinaus beim Brandenburgischen Oberlandesgericht (OLG) über die Verhängung von Untersuchungshaft gegen ihn beschwert.
Trotz der hohen Straferwartung ließen ihn die Richter laufen. Begründung: Horn sei immer brav zu den Gerichtsverhandlungen erschienen und habe Pass sowie Personalausweis bei der Polizei weisungsgemäß abgegeben. Dass er sich lange zuvor für den vorgetäuschten Verlust hatte Zweitdokumente ausstellen lassen, wusste niemand. Als im Juni vergangenen Jahres der Bundesgerichtshof die Revision verworfen und damit der Cottbuser Richterspruch Rechtskraft erhalten hatte, war Peter Horn über alle Berge. Bemerkt hat das die Justiz erst, als ihm die Ladung zum Haftantritt am 16. Juli 2002 nicht zugestellt werden konnte.
Die Öffentlichkeit erfuhr von der Panne nichts. Die Polizei suchte den Mann aus Jänschwalde in aller Stille zunächst in Deutschland. Erst durch einen Brief an einen Kumpel, der in Belgien abgestempelt worden war, kamen die Fahnder dahinter, dass „Schorny“ , wie sich Horn nannte, mit seinem Citroën im Ausland rumtourte. Zielfahnder des Landeskriminalamtes nahmen nun die Spur auf, die über Belgien, Frankreich, England letztlich nach Spanien führte. Dort verlor sie sich. Offensichtlich kamen Peter Horn bei seiner Flucht Kenntnisse zugute, die er sich in den 60er-Jahren als Fremdenlegionär erworben hatte.
Es war nicht das erste Mal, dass der Mann Behörden und Mitmenschen an der Nase herumführte. Jahrelang spielte er als gesunder Mann die Rolle des Schwerbehinderten. 1957 als 17-Jähriger aus Dessau in die Bundesrepublik geflüchtet, schloss er sich der französischen Fremdenlegion an. Bei Kämpfen in Indochina will er seine Sehkraft eingebüßt haben. Seine inzwischen von ihm wieder geschiedene Frau lernte er per Zeitung kennen. „Blinder Mann sucht Haushaltshilfe“ hatte Horn annonciert. Einen Augenarzt, in dessen Praxis er mehrfach gegen Wände gerannt war, um seine Blindheit glaubhaft zu machen, konnte er nicht überzeugen, wohl aber über lange Zeit seine Haushälterin und spätere Ehefrau. Als die bemerkte, wie der ihr Angetraute Nummern in einem Telefonbuch suchte, erfand Peter Horn einen Wunderheiler, der ihm sein Augenlicht wiedergegeben habe.

Leben voller Lügen
Nach der Wende wandte der Schein-Behinderte sich erst einmal dem Unternehmertum zu. Seiner Elektro-Firma in Polen war aber kein erfolgreiches Dasein beschieden. Er siedelte sich in Guben und später in Jänschwalde an und erfand fortan immer neue Leiden, die ihm offiziell ein Arbeiten unmöglich machten. Mal waren es Lähmungen nach einem Schlaganfall, dann eine schwere Knochenkrankheit, die ihn angeblich nur noch an Krücken gehen ließ und an den Rollstuhl fesselte. Als mutmaßlich Schwerstbehinderter täuschte er Ärzte, erschlich sich mit fragwürdigen Attesten Invalidenrente und kassierte über Jahre Sozialleistungen von Vater Staat. Auch vor dem Cottbuser Gericht hatte er bis zuletzt den gebrechlichen Mann gespielt, der sich niemals an einem kleinen Mädchen vergreifen könnte. Auch das war, wie so vieles in seinem Leben, nichts anderes als eine glatte Lüge.