Nachdem die erste Runde im Oktober an der Mindestbeteiligung von 50 Prozent gescheitert ist, tritt der national-konservative Vojislav Kostunica am Sonntag gegen den früheren Freischärlerchef Vojislav Seselj und den Außenseiter Borislav Pelevic an, der ein Führer der serbischen Tiger-Milizen war.
Doch die Kandidaten wetteifern um die Gunst einer Wählerschaft, die sich angesichts der Machtspiele ihrer Politiker zunehmend resigniert zeigt. Die Aussagen der Kandidaten interessieren kaum. Die öffentliche Diskussion in Belgrad dreht sich schon jetzt um die Frage, welche Folgen ein erneutes Scheitern der Wahl an der vorgeschriebenen Mindestbeteiligung von 50 Prozent in der ersten Runde hat.
Es gebe nur die Auswahl "zwischen zwei Kalaschnikows und einem Freiwilligenkämpfer", sagt Nenad Canak, Präsident des Provinzparlaments in der Vojvodina und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Liga (LSV). Wer wähle, werde das Blut der Städte Vukovar und Srebrenica an den Händen habe, sagte er. Und: "Das will ich meinen Nachkommen nicht antun."

Viertel Million Stimmen fehlt
Das Belgrader Meinungsforschungsinstitut Strategic Marketing hat eine Untersuchung vorgelegt, wonach sich nur etwa drei Millionen Menschen an der Wahl beteiligen könnten. Ohne einen schnellen Stimmungsumschwung fehlen damit 250 000 Stimmen an der per Verfassung vorgeschriebenen Mindestbeteiligung. "Entweder die Wahlen scheitern, oder Kostunica hat mehr Stimmen als Seselj und Pelevic zusammen", sagt der Direktor des Institutes, Srdjan Bogosavljevic, gestützt auf die Umfrage.
Die OSZE-Mission in Jugoslawien versucht, die etwa 6,5 Millionen Wahlberechtigten zu motivieren. Mehrere zehntausend Euro wurden ausgegeben, um den Slogan "Es geht um dich. Gib die Stimme ab" unter das Volk zu bringen. Auf Empfehlung der OSZE hat das serbische Parlament die 50-Prozent-Hürde in der Stichwahl abgeschafft, in der ersten Runde gilt sie aber weiter.
Andere europäische Staaten hätten vergleichbare Regelungen, sagt Jens-Hagen Eschenbächer, Sprecher des OSZE-Büros für demokratische Institutionen in der polnischen Hauptstadt Warschau. "Das ist ein sehr spezifisch serbisches Problem. Es muss dort diskutiert und gelöst werden", sagt Eschenbächer mit Blick auf ein erneutes Scheitern der Wahl wegen zu geringer Wahlbeteiligung. Denkbar sei aber, bei einem Scheitern der ersten Runde eine Stichwahl vorzusehen, nicht die Wiederholung der Wahl.
Wie schon in der ersten Runde animiert die Demokratische Partei (DS) des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic die Wähler nicht zur Stimmabgabe. Der Kandidat Kostunica und sein Programm seien nicht akzeptabel, heißt es aus der Partei. Kostunicas Partei DSS aber erhielte nach einer jüngsten Umfrage 32 Prozent der Stimmen, während die DS von Djindjic und die Radikale Partei (SRS) von Seselj je nur auf 16 Prozent kommen.

Kostunica droht Djindjic
Ein Misserfolg der Wahlen werde die Regierung Djindjic vernichten, drohte Kostunica seinem politischen Hauptrivalen in einem Interview mit der Tageszeitung "Danas" an. "Das Thema wären dann nicht mehr Präsidentenwahlen, sondern schon vorzeitige Parlamentswahlen."