Der serbische Regierungssprecher gab sich am Tag nach dem Kosovobesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel tapfer. Die Kanzlerin habe mit ihren Forderungen an die Adresse Belgrads zur Beilegung der Krise schließlich „nichts Neues“ gesagt, erklärte er am Dienstag im Staatsfernsehen (RTS). Doch das war nur die halbe Wahrheit.

Während die Kommentatoren der Regierung das Scheitern im Kosovo auf ganzer Linie vorhielten, zeigten Tausende Bürger in Mails an die Medien ihren Unmut. Kühl und sachlich hatte sich Merkel am Vortag in Pristina noch einmal an Belgrad gewandt: Die serbischen Institutionen in Nordkosovo, die von Serbien mit Hunderten Millionen Euro aufrechterhalten erhalten werden, müssten verschwinden. Sonst sei an eine weitere Annäherung Serbiens an die EU nicht zu denken.

„Hier wird sich doch niemand deswegen die Haare rausreißen oder sich selbst umbringen“, kommentierte der Staatssekretär im serbischen Kosovo-Ministerium, Oliver Ivanovic, eine mögliche EU-Blockade. „Die Kosovopolitik der aktuellen Regierung hat ihre Niederlage erlebt“, diagnostizierte der renommierte heimische Politologe Dragan Popovic in der Zeitung „Danas“.

Das Ende der Fahnenstange sei „nach 30 Jahren Populismus und Demagogie“ erreicht. Regierungskritiker verlangten, jetzt müsse der Bevölkerung endlich offen gesagt werden, dass das Kosovo für Serbien schon seit vielen Jahren verloren sei.

Der berühmteste Karikaturist des Landes, Corax, hatte schon in den vergangenen Wochen die Lage mit spitzer Feder gezeichnet. Mal sind alle Spitzenpolitiker angetreten, um sich von Merkel Nahrung in Form von EU-Sternen verabreichen zu lassen, mal hält die Kanzlerin dem serbischen Staatspräsidenten Boris Tadic einen brennenden Europa-Sternreifen hin, durch den der Politiker springen muss.

In Leserbriefen ging es dagegen richtig zur Sache. „Angela, Ihr verlangt von Serbien die Kapitulation“, „Liebe Frau Merkel, dann wird es eben nix mit der EU. Danke und auf Wiedersehen“ oder „Sie soll doch aufhören, ihre Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken“, hieß es in Kommentaren an den Belgrader TV-Sender B92, denen Hunderte Bürger zustimmten.

Serbien setze wie schon in den vergangenen Jahrzehnten wieder auf den Nationalismus und auf die Kosovo-Karte, analysieren viele heimische Experten. Weil die Regierung wegen der sozialen und wirtschaftlichen Misere die bevorstehenden Parlamentswahlen nicht gewinnen könne, habe sie sich für das Kosovo und gegen die EU entschieden, kritisierte der frühere Regierungschef Zoran Zivkovic.

Auch der Politologe Popovic bedauert, dass sich die DS-Partei des Staatsoberhauptes Tadic' „am Ende doch wieder für das Kosovo entschieden hat“. Bei dieser Frage kochen bei den Bürgern auch nach Jahrzehnten immer noch die Emotionen hoch.