Die Standardrente, welche auf der Basis eines gesellschaftlichen Durchschnittsverdieners mit 45 Beitragsjahren ermittelt wird, steigt damit um knapp 29 Euro auf 1224 Euro. Die Erhöhung kommt auch den rund 7,6 Millionen Empfängern von Arbeitslosengeld II, der Grundsicherung im Alter beziehungsweise der Sozialhilfe zugute. Ihr monatlicher Regelsatz steigt von 351 auf 359 Euro. Im Grundsatz folgen die Renten der Lohnentwicklung des jeweiligen Vorjahres. Im Westen sind die Gehälter 2008 um 2,1 Prozent gestiegen, im Osten um 3,1 Prozent. Scholz sprach von einer guten Nachricht und einem „Beweis für die Kraft des Sozialen in unserer Marktwirtschaft“. Die Rentenerhöhung mitten in der Krise zeuge von der Verlässlichkeit des deutschen Sozialstaates.

Einen Zuwachs von mehr als zwei Prozent in Ost und West hatte es zuletzt im Jahr 2002 gegeben. Für die Rentner in den alten Ländern ist es der höchste Anstieg seit 1994. Im Osten haben die Ruhestandsbezüge seit 1997 nicht mehr so stark zugelegt. Nach Ansicht von Scholz tragen die Senioren damit zur Stärkung der Binnennachfrage bei. Nimmt man die im Konjunkturpaket II verankerte Senkung des Beitrages zu den gesetzlichen Krankenkassen um 0,6 Prozentpunkte hinzu, wovon die Rentner zur Hälfte profitieren, dann erhöhen sich ihre Bezüge zur Jahresmitte um rund 2,7 beziehungsweise 3,7 Prozent. Das sind insgesamt 5,6 Milliarden Euro mehr.

Für das Rekordplus ausschlaggebend ist allerdings auch eine Manipulation an der Rentenformel, die die Koalition im Vorjahr beschlossen hatte. Durch die für 2008 und 2009 festgelegte Aussetzung des Riesterfaktors fallen die Altersbezüge höher aus als nach der ursprünglichen Rechtslage. So waren die Renten im Vorjahr um 1,1 Prozent gestiegen. Unter Einschluss des Riester-Faktors wäre es nur ein Plus von 0,46 Prozent gewesen. Im aktuellen Fall hätten sich die Renten nur um rund 1,8 beziehungsweise 2,7 Prozent erhöht. Der Riesterfaktor wurde als Ausgleich für die zusätzliche private Altersvorsorge der Arbeitnehmer in die Rentenformel eingebaut. Der Faktor dämpft den Rentenanstieg um etwa 0,6 Prozentpunkte.

Die durch seine vorübergehende Aussetzung entstehenden Mehrkosten sollen allerdings langfristig wieder in der Rentenkasse ausgeglichen werden. Das heißt, im kommenden Jahrzehnt fallen die Rentenerhöhungen selbst bei guter Wirtschaftslage geringer aus. Eine solche Verlagerung der Kosten in die Zukunft hatte es bereits 2005 und 2006 gegeben. Damals hätte es wegen der schlechten Lohnentwicklung sogar zu Rentenkürzungen kommen müssen, was jedoch eine Sicherungsklausel im Gesetz verhindert. Die seinerzeit aufgelaufenen Mehrkosten von 3,5 Milliarden Euro sollen ebenfalls nach 2010 in Form geringerer Rentensteigerungen berücksichtigt werden.