Brandenburg schafft mehr Krankenhausbetten zur Behandlung älterer Menschen - dagegen soll etwa in der Geburtshilfe die Bettenzahl sinken. In der neuen Landesplanung für 2014 bis 2018 werden Angebote zugunsten der Patientengruppe "65plus" verschoben, sagte Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) am Freitag nach einer Beratung mit Vertretern von Verbänden und Krankenkassen. Während in den Bereichen Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Chirurgie und Hals-Nasen-Ohren die Zahl der Betten gekürzt werde, solle die Kapazität in den Abteilungen Geriatrie, Innere Medizin und Neurologie aufgestockt werden. Laut Tack betrifft dies 2600 von insgesamt rund 15 000 Krankenhausbetten.

Als Begründung für diesen Schritt sagte sie, dass "2020 jeder vierte Brandenburger älter als 65 Jahre sein wird". Zwei Drittel der älteren Bevölkerung werden dann auf Krankenhausleistungen angewiesen sein, ergänzte Michael Zaske vom Gesundheitsministerium. Von daher sei klar, dass trotz angespannter finanzieller Situation alle der 52 märkischen Krankenhäuser an insgesamt 62 Standorten bis 2018 erhalten bleiben sollen, sagte Tack.

Auch die Tageskliniken sollen ihre derzeit 1000 auf mehr als 1300 Plätze aufstocken. Zumeist betreffe dies psychiatrische Angebote wie zum Beispiel die Betreuung von Menschen mit einer Demenz-Erkrankung. Ebenso soll das Modell der Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern zur Entlastung der Notaufnahmen weiter ausgebaut werden. Der Versuch am Potsdamer St.-Josefs-Krankenhaus sei sehr positiv verlaufen. Im Januar 2012 wurde hier eine Bereitschaftspraxis für akute Krankheitsfälle eingerichtet, die nicht lebensbedrohlich sind. Am Cottbusser Carl-Thiem-Klinikum eröffnet jetzt eine zweite Einrichtung. Weitere sollen folgen.

Den Plänen des Potsdamer Bergmann-Klinikums, ein neues Herzzentrum zu eröffnen, erteilte Gesundheitsministerin Tack hingegen eine Absage. "In der Region gibt es bereits vier solcher Einrichtungen", sagte sie. Auch den Wunsch vieler Krankenhäuser in der Region, mehr Orthopädie zu machen, betrachtet das Ministerium skeptisch. Allein aus dem Südbrandenburger Raum seien Anträge von elf Kliniken eingegangen, sagte Abteilungsleiter Thomas Barta. Hiermit lässt sich nach Ansicht vieler Kliniken noch Geld verdienen. Doch ein Überangebot werde das Ministerium nicht zulassen. "Unser Ziel ist es, mit den Krankenhäusern die Grundstruktur in den ländlichen Räumen zu sichern", betonte Tack.

Nach einer Landeskonferenz mit allen Vertretern von Landeskrankenhausgesellschaft, Kassenärztlicher Vereinigung, Krankenkassen und Ministerium soll die neue Planung per Kabinettsbeschluss im kommenden Jahr verabschiedet werden. Zudem wird an die Stelle der bisherigen Einzelförderung eine Investitionspauschale treten, über die jedes Krankenhaus eigenverantwortlich verfügen kann. Seit 1991 hat Brandenburg mehr als vier Milliarden Euro in die Krankenhäuser investiert. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2014 stehen noch einmal 400 Millionen Euro zur Verfügung.