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| 02:38 Uhr

Senftenberger BTU-Campus als neue Kreisverwaltung?

Hinter dem Eingangs- und Hauptgebäude der BTU in Senftenberg erstreckt sich ein weitläufiger Campus mit zahlreichen Lehrgebäuden und Forschungseinrichtungen.
Hinter dem Eingangs- und Hauptgebäude der BTU in Senftenberg erstreckt sich ein weitläufiger Campus mit zahlreichen Lehrgebäuden und Forschungseinrichtungen. FOTO: St. Rasche/str1
Senftenberg/Cottbus. 2015 hat Klaus-Peter Schulze ein leer stehendes Spree-Neiße-Kreishaus in Forst prognostiziert. Jetzt bringt der CDU-Bundestagsabgeordnete einen Kreissitz Senftenberg mit der Kreisverwaltung auf dem dortigen BTU-Campus ins Spiel – und sorgt für Entrüstung in der Region. Jan Augustinund Christian Taubert

Seine Äußerungen liegen schon Tage zurück. Vor allem in den sozialen Netzwerken hat es seither heftige Reaktionen gegeben. Doch auch nach Weihnachten sitzt der Stachel bei Kommunal- wie Landespolitikern noch tief. So hat Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) mit Kopfschütteln und deftig auf die von Klaus-Peter Schulze ins Leben gerufene Idee reagiert: "So einen Unsinn und Quatsch kommentieren wir nicht."

Für den Landrat von Oberspreewald-Lausitz rüttelt Schulze da offenbar schon an Grundfesten des politischen Miteinanders, und deshalb nimmt er sich trotz des Unverständnisses gegenüber Schulzes Äußerungen in einem LTV-Interview mehr Zeit. "Die Vorschläge, den Standort der BTU in Senftenberg zugunsten einer dort zu etablierenden Kreisverwaltung für einen neuen Großkreis zu schließen", weist Siegurd Heinze (parteilos) entschieden zurück. "Diese Überlegungen entbehren jedweder Grundlage und stellen eine Einzelmeinung dar, die nicht fundiert ist und sich auch politisch und praktisch nicht umsetzen lassen wird."

Solche Gedanken, so Heinze, hätten bisher weder Vertreter der BTU oder des Landes Brandenburg geäußert. Im Gegenteil: Die zum 1. Juli 2013 gegründete Universität Cottbus-Senftenberg sei mit ihren Standorten Cottbus und Senftenberg im Gesetz zur Weiterentwicklung der Hochschulregion Lausitz vom 11. Februar 2013 in einem Landesgesetz verankert. "Hochschule, Land Brandenburg und die Region bemühen sich gemeinsam, die erst vor Kurzem vollzogene Neugründung der BTU nach besten Kräften zu unterstützen. Erste Erfolge sind sichtbar, die Akzeptanz steigt", fügt Heinze hinzu. Leichtfertige Äußerungen, für einen möglichen Kreissitz Senftenbergs in einem fusionierten Landkreis mit OSL, SPN, EE und Cottbus den Uni-Standort Senftenberg aufzugeben, "sind wenig hilfreich und schaden der Stadt Senftenberg aber auch der BTU, da sie vor allem Studierwillige sowie auch Beschäftigte verunsichern". Fakt sei, dass Senftenberg als Universitäts- und als Kreisstadt bestens aufgestellt sei, Veränderungen nicht erforderlich seien. "Hier besteht zwischen dem BTU-Präsidenten, Senftenbergs Bürgermeister und dem Landrat absolute Übereinstimmung."

Selbst der Cottbuser CDU-Landtagsabgeordnete Michael Schierack nennt die Idee seines Parteifreundes "eine Einzelmeinung". Er fügt allerdings hinzu, dass sich Schulze offenbar aus Sorge um rückläufige Studierendenzahlen und die Konsequenzen für den Standort geäußert habe. Für den Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch zeige die neuerliche Diskussion, dass die Debatte zur Kreisreform oft sehr emotional geführt werde. "Für Cottbus bleibt es das Ziel, die Kreisfreiheit für die Stadt zu erhalten", betont der CDU-Politiker. Sollte der Landtag anders entscheiden, "dann soll Cottbus Kreisstadt und Sitz der Kreisverwaltung werden. Das haben die Cottbuser Stadtverordneten mit großer Mehrheit gefordert."

Aus Sicht der rot-roten Regierungskoalition in Potsdam sagt der Cottbuser Landtagsabgeordnete Matthias Loehr (Linke), dass es für die Überlegungen von Klaus-Peter Schulze "keine Grundlage gibt". Der ebenfalls in Spremberg beheimatete SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese betont, "dass derartige Äußerungen die BTU, die Studenten und die Bürger verunsichern".

Aus Sicht seiner Partei seien im neuen Lausitzkreis neben Cottbus als Kreissitz noch Verwaltungssitze in Forst, Senftenberg und Herzberg angedacht.

Der Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg Professor Jörg Steinbach hatte gegenüber LTV eingeräumt, dass er sich maßlos geärgert und sich gefragt habe, was den Bundespolitiker zu der Äußerung bewogen habe. Es sei "ein völliges Unding", Kreissitz und Uni-Standort zu verknüpfen. Senftenberg, so der BTU-Präsident, stehe nicht im geringsten zur Disposition.