Linh Ho Bieu wird durch die Luft gewirbelt. Einem Raumfahrertraining gleich, bewegt sich ihr im rädrigen Therapiegerät fest verankerter Körper in verschiedene Richtungen, überschlägt sich, dreht nach links, rechts und kommt wieder aufrecht zu stehen.

Ins All will die junge Frau nicht. Sie studiert im fünften Semester Physiotherapie und ist an diesem Donnerstagvormittag angetreten, den vielen Eröffnungs-Gästen vorzuführen, welche medizintechnischen Möglichkeiten im neu eröffneten Laborgebäude für Physiotherapie und Medizintechnik verborgen sind.

Dieser mit Beschleunigungssensorik ausgestattete Spacecurl - auf deutsch mit Raumquirl übersetzbar - so erklärt der Studiendekan für Physiotherapie, Professor Dr. Sven Michel, kann in der Therapie bestimmter neurologischer Erkrankungen wie Parkinson die Muskulatur an der Wirbelsäule beeinflussen. Er gehört zu einer Reihe von Geräten im neuen Gebäude, die die Einrichtung zu "den international am besten ausgestatteten Bewegungsanalyselaboren" machen, freut sich Michel.

Stolz ist er auch auf eine Tartanbahn mit integrierten Kraftmessfeldern im Inneren des kleinen, aber architektonisch herausragenden Hauses auf dem Senftenberger Campus. Das moderne Gang-Analyse-System bringt Bilder und viele andere Daten auf den Bildschirm, die es den Wissenschaftlern und angehenden Physiotherapeuten ermöglichen, genau festzustellen, was im Körper von Patienten beim Zusammenspiel von Knochen, Muskeln oder Nerven schiefgeht - und wie für Abhilfe gesorgt werden kann.

Knapp drei Millionen Euro haben Land und Bund in das außergewöhnliche graublaue Gebäude, das die Berliner Architektin Anja Beecken entworfen hat, gesteckt. Der zunächst als Seminargebäude für die Informatiker konzipierte Bau wandelte sich im Laufe der zweijährigen Bauzeit im Zuge der neuen fachlichen Ausrichtung der Hochschule zum Laborgebäude.

Für Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst ist deshalb die feierliche Schlüsselübergabe für das Gebäude 16 - Laborgebäude für Physiotherapie und Medizintechnik - mehr als eine Eröffnung. Sie will damit ein "klares Signal für den Standort Senftenberg" in einer neuen gemeinsamen Technischen Universität in der Lausitz, die bis zum Wintersemester 2013/14 entstehen soll, setzen. Die steigende Lebenserwartung führe zu einem erhöhten Bedarf an akademisch qualifizierten Fachkräften im Gesundheits- und Pflegebereich. Deshalb sei es zukunftsträchtig, die Gesundheitswissenschaften als neuen Bereich an der Hochschule auszubauen.

Ziel sei es, Senftenberg zu einem wissenschaftlichen Zentrum im Wachstumsmarkt Gesundheitswissenschaften zu entwickeln. Das werde auch von der Lausitz-Kommission, die die Zukunftsfähigkeit der Hochschullandschaft unter die Lupe genommen hat, als visionär und arbeitsmarktorientiert angesehen und diesem Vorhaben eine Sogwirkung attestiert. Dabei könne man auf die vorhandenen Zweige wie Ingenieurwissenschaften oder Biotechnologie aufbauen und deren technische Möglichkeit für den Gesundheitsbereich nutzbar machen. Auch für das Zusammenwirken mit Kliniken und Unternehmen habe Senftenberg gute Voraussetzungen, ist sich Hochschulpräsident Prof. Dr. Günter H. Schulz sicher.