Vermutlich hätte er verschämt in der Ecke gestanden, während die Stele auf dem kleinen Platz am Rande der Bahnhofsstraße eingeweiht wird. So viel Wind um seine Person habe er nicht gemocht, sagen seine Künstler-Freunde.

Ernst Sauer war "einer der Stillen im Lande", weiß Bernd Gork, und Christine Przybilski bestätigt: "Er war ein bescheidener Mensch, der mit einem Pott Kaffee und einer Buttersemmel zufrieden war." Die beiden gehören zur Senftenberger Künstlergemeinschaft Kreis 07, die sich gemeinsam mit dem Kunstverein Pro Ars Lausitz e.V. dafür eingesetzt haben, dem Platz Sauers Namen zu geben, damit sein Schaffen zu würdigen und das Andenken an den Bildhauer, der 27 Jahre lang in Senftenberg gelebt und gearbeitet hat, wachzuhalten. Allen Widerständen zum Trotz, denn die Stadtverordneten hatten sich monatelang schwer getan, ob sie den Platz lieber dem Künstler oder der Partnerstadt Püttlingen widmen wollten. Schließlich konnten sie dem Engagement der Künstlergruppe nicht widerstehen.

Ab heute wird eine Stele des Seidewinklers Metallgestalters Manfred Vollmert an dessen künstlerischen Weggefährten Ernst Sauer erinnern. Die Plastik "Die Trinkende" macht das schon. Für diese hatte die Schmuckdesignerin Christine Przybilski gesorgt, als sie sich 1997 im Haus neben dem Platz Atelier und Werkstatt eingerichtet hat. "Damals haben wir gesammelt, um Ernst Sauers Plastik aufstellen zu können und fanden viele Unterstützer", erinnert sie sich. Seitdem treffen sich Künstler an dieser Stelle und laden die Öffentlichkeit zu Plenairs, Ausstellungen oder Aktionen ein.

Ernst Sauer, ein politischer Mensch, für den "Kunst eine produktive, gestaltende Form der Erkenntnis", ist, "die Fähigkeit und Verpflichtung, in das menschliche Leben, das ein gesellschaftliches ist, helfend, klärend und auseinandersetzend einzuwirken" (Dr. Klaus Hammer), hat vor allem mit seinen Groß-Plastiken bis heute das künstlerische Bild der Lausitz mitgeprägt. So stehen seine "Freundinnen" noch immer vor dem Finsterwalder Gymnasium, der Mädchenbrunnen in Calau, eine Variante von "Mutter mit Kind" auf dem Großräschener Marktplatz, und auf dem Senftenberger Neumarkt spielen Sauer-Figuren im Wasser.

Auch Luckau, Cottbus, Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) haben Plastiken des Künstlers in ihrem Stadtbild. Allerdings, so weiß Sauers Witwe Hildegard, sind nicht alle sorgsam mit den Kunstwerken umgegangen. Manches ist auf Bauhöfen verschüttet worden, anderes fristet mangels Verständnis für die Kunstwerke als Kulturgüter ein kümmerliches Dasein, zugebaut und ungepflegt.

Dennoch wird Sauer auch 25 Jahre nach seinem Tod von der Öffentlichkeit vor allem über diese großformatigen bildhauerischen Arbeiten wahrgenommen.

Dabei sind es gerade seine Kleinplastiken, die besonderes Augenmerk verdienen. In ihnen liege die eigentliche Bedeutung seines Schaffens, dessen, was er in die Bildhauerkunst einzubringen vermochte, urteilen Fachleute. ". . . ich war fasziniert von den großgesehenen Kauernden, dem bewunderten Kopf, den Raumgebilden, die so still sind. Hier bringt Ernst eine Bildwelt zum Leben, die seine tief verborgenen Empfindungen artikulieren kann", hat Gerhart Lampa (1940 - 2010), Maler und Freund, zu Sauers 65. Geburtstag über dessen Plastik "Psychogramm" geschrieben. Es sollte die letzte gewesen sein. Sauer starb am 8. Juni 1988 an Krebs.

Zum Thema:
Ein Querschnitt des Werkes von Ernst Sauer ist in einer neuen Ausstellung zu sehen. Sie wird nach der Namensweihe für den Ernst-Sauer-Platz am 24. April um 16 Uhr in der Schmuck & Galerie, Bahnhofstraße 12, von Senftenberg eröffnet.