Der Kampf um die Haushaltsmittel für die kommenden zwei Jahre wird immer härter. Die Bereiche Inneres und Bildung haben bereits erheblichen Mehrbedarf angemeldet, Finanzminister Georg Unland (CDU) wird allerdings wohl hart bleiben. Drum wird inzwischen nach anderen Töpfen geschielt.

Gerade die Einnahmen aus der Lotterie wecken derzeit Begehrlichkeiten. Wie viel da im Jahr zusammenkommt, hängt zwar von dem unsicheren Faktor ab, wie oft der Sachse Lotto spielt. Dennoch kam in den vergangenen Jahren deutlich mehr zusammen als erwartet. Laut der Liga der Wohlfahrtsverbände Sachsen brachten die Staatslotterieveranstaltungen 2010 und 2011 jeweils über 55 Millionen Euro ein, 2009 waren es sogar fast 65 Millionen. Das stets sparsame sächsische Finanzministerium hatte indes für 2011 über zehn Millionen weniger veranschlagt.

Die Liga fordert nun, die Mehreinnahmen "kreativer" einzusetzen. Das fordert auch der CDU-Sozialpolitiker Alexander Krauß, der gern einen Teil des Geldes in den Jugendsozialbereich stecken möchte. Problem dabei: Laut Glücksspielstaatsvertrag fließen 40 Prozent der Lottoeinnahmen in die Kultur. Zuvörderst in die prestigeträchtige Semperoper und auf die Großbaustelle Stadtschloss Dresden. Dort werden wohl noch bis 2017 jährlich zwischen drei und sechs Millionen verbaut. Ein zu teurer Luxus, meinen Wohlfahrtsverbände und Sozialpolitiker. "Was wir als Land in diesem Bereich machen, ist mehr als auskömmlich", sagt Alexander Krauß. Das Soziale wurde indes im laufenden Doppelhaushalt empfindlich geschröpft. Auch innerhalb der Regierungsfraktionen kann der Bedarf bei Jugendclubs, Jugendherbergen und bei der Drogenprävention nicht mehr geleugnet werden.

Nun fürchten Kulturpolitiker, dass der Einzelplan 12 im Haushaltsentwurf - das Budget für Wissenschaft und Hochschulen - nochmal angegangen wird. Denn gerade die Kultur müsse "oftmals als Steinbruch herhalten", wie ein Abgeordneter sagt.

Was dann wegfallen würde, ist sehr konkret: Der Ausbau des Obergeschosses im Dresdner Schloss steht an und die Sempergalerie braucht dringend neues Parkett. Beides soll in den nächsten zwei Jahren passieren. Sofern die Lottoeinnahmen nicht umverteilt werden.

Aber angesichts der lauten Diskussion um die Eingruppierung der Lehrer, um Weihnachtsgeld für Beamte und um den Stellenplan bei der Polizei fehlen der Kulturlobby die guten Argumente. Außer dem, dass ein Opernhaus eben auch als Investition betrachtet werden muss. "Wir wollen niemandem etwas wegnehmen", sagt CDU-Sozialexperte Krauß, "wir meinen nur, dass der Kuchen deutlich größer ist als angenommen."

Mehr noch: Offensichtlich werde der Lottokuchen vom Finanzministerium künstlich kleingerechnet. Krauß ist sicher, "der Kuchen ist groß genug, dass alle davon satt werden".