"Die Sektkorken knallen nicht", sagt Vorstandsmitglied Ralf Stegner zu ein paar Journalisten im proppenvollen Atrium der Berliner Parteizentrale noch vor der offiziellen Schließung der Wahllokale. Kommt jetzt die Große Koalition? Oder am Ende doch die Opposition? Um diese Fragen kreisen die Gespräche, als die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme geflimmert sind.

Die Szene hat etwas Zwiespältiges: Aus einiger Entfernung sieht es eher nach Volksfest aus. Einige Tausend Gäste sind gekommen, um den Wahlabend "live" mitzuerleben. Vor dem Willy-Brandt-Haus sind zahlreiche Bänke und Tische aufgestellt. Eng ist es und laut. Wer jedoch in die Gesichter der Genossen schaut, kann darin Ungläubigkeit, ja Fassungslosigkeit entdecken. Unter Schwarz-Rot habe er "gelitten wie ein Hund", stöhnt Frank Hofmann. Er saß seit 1994 für die SPD im Bundestag und ist nicht noch einmal angetreten. "Soll die Merkel doch sehen, wie sie jetzt zu einer Mehrheit kommt", schiebt Hofmann enttäuscht hinterher. Dieser Tenor setzt sich auch in den Statements der Parteioberen fort. Sie habe sich einen "höheren Zuwachs erhofft", aber jetzt sei "Frau Merkel am Zug".

Schließlich betritt die erste Riege der SPD die Bühne. Hannelore Kraft ist dabei, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel sowie Peer Steinbrück. Da brandet Riesen-Applaus auf. Soviel Jubel herrschte vorher nur, als klar wurde, dass die FDP wohl nicht mehr in den Bundestag kommt. Parteichef Gabriel lobt Steinbrück. Einen "fantastischen Wahlkampf" habe der Kanzlerkandidat gemacht, und ein "Pfundskerl" sei er. Steinbrück ist sichtlich gerührt. Aber es ist eben auch so etwas wie seine Abschiedsvorstellung. Zwar wurde Schwarz-Gelb "vom Platz gefegt", wie Steinbrück anmerkt. Aber zu Rot-Grün hat es ganz klar nicht gelangt. Und nur dafür stand Steinbrück.