"Wer diese Dinger zündet, hat wohl das letzte Mal einen schönen Tag", sagt der stellvertretende Zollvorsteher am Frankfurter Grenzübergang Stadtbrücke, Klaus Schade. In der selben Kiste liegen auch eine Medizinball-große explosive Kreation sowie versiegelte Rollen, die Rohrbomben ähneln.
Die beschlagnahmten, augenscheinlich selbstgefertigten Knaller sollen Feuerwerkskörper darstellen. Die Zöllner haben hier in den vergangenen Jahren schon eine Menge Pyrotechnik aus Osteuropa beschlagnahmt, die nicht in das Bundesgebiet eingeführt werden darf. "Solche Sachen Marke Eigenbau sind uns jedoch neu", sagt Schade.
Gut ein Dutzend dieser explosiven Geschosse, die ein Pole über die Grenze nach Deutschland bringen wollte, lagern in den Kisten, die zunächst in der Pkw-Durchsuchungshalle abgestellt wurden. "Aus Sicherheitsgründen geht niemand unserer Bediensteten mehr daran", erklärt Astrid Pinz, Sprecherin des Frankfurter Hauptzollamtes. Die Behörde habe die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) informiert, deren Sprengstoffspezialisten die angsteinflößenden Böller abholen und untersuchen sollen.
Auch in der Aservatenkammer des Zolls lagern bereits wieder beschlagnahmte Feuerwerkskörper aller Sorten und Kaliber, teilweise mit aufgedruckten Totenköpfen, jedoch ohne das in Deutschland vorgeschriebene Sicherheitsprüfzeichen. Namen wie "Feuersturm" oder "Susis Donnerschlag" dürften jedoch für sich sprechen.
Doch die Deutschen werden einfach nicht schlau. Die unberechenbaren Billig-Kracher werden auf den Polenmärkten entlang der Grenze verkauft und finden noch immer reißenden Absatz. Und dass, obwohl es immer wieder zu schweren Unfällen kommt und der Zoll seit Jahren warnt, sogar die Bestimmungen vor zwei Jahren verschärft hat. Der Kauf der gefährlichen Böller ist damit schon längst kein Kavaliers delikt mehr: Wer bei der verbotenen Einfuhr in die Bundesrepublik erwischt wird, muss mit einem Steuerstrafverfahren rechnen. Insgesamt 22 Fälle hat das Zollamt seit Ende Oktober bereits bearbeitet, im vergangenen Jahr waren es bis Silvester 60 derartige Delikte.
Probezündungen des Zollkommissariats hatten ergeben, dass viele Böller eine größere Sprengkraft und Lautstärke haben als ein Kanonenschlag und die Einzelteile bis zu 15 Meter weit in der Umgebung herumfliegen.