26 Uhr ist die Autobahn A 17/D 8 von Dresden in Richtung Prag feierlich eingeweiht. Die kleine Zeremonie steigt auf der 400 Meter langen Grenzbrücke Schönwalder Bach in stolzen 57 Metern Höhe - genau über jener Stelle, an der die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft. Gegen 18 Uhr rollt dann tatsächlich der Verkehr.

Umweltschützer klagen
Nach achtjähriger Bauzeit ist damit die 44,6 Kilometer lange und 680 Millionen Euro teure A 17 von Dresden bis zur Grenze eröffnet. Sie führt mit dem ebenfalls neuen, 24 Kilometer langen Abschnitt auf böhmischer Seite als D 8 bis Usti nad Labem (Aussig) weiter. Hinter Usti ist jedoch ein rund 20 Kilometer Abschnitt noch immer nicht fertig, weil Umweltschützer im Interesse des böhmischen Mittelgebirges gegen den Bau klagen. "Ich hoffe, dass wir im ersten Halbjahr 2010 dort ebenfalls ein Band durchschneiden können”, sagt Tschechiens Verkehrsminister Ales Rebícek. Solang wird der Verkehr über eine gut ausgebaute Ausweichstrecke entlang der Elbe nach Prag geleitet. Wann und wie aber der Verkauf der Vignette gelöst wird, wisse er nicht, räumt Rebícek ein. Vorerst gibt es sie in Deutschland nur beim ADAC.
Auf der Grenzbrücke weht dennoch neben dem kalten Wind auch der europäische Geist. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) beschreibt den paneuropäischen Korridor der Trasse, die von Skandinavien bis Istanbul führt. "Dieses Projekt ist eine europäische Verbindung von überragender Bedeutung und hoher Symbolkraft”, sagt er und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) erklärt: "Dies ist ein großer Tag für Europa.”
Nach den Zeiten des Eisernen Vorhangs werde die Vision vom Zusammenwachsen der Regionen im Herzen Europas Wirklichkeit. Das wirtschaftlich schwache Erzgebirge und Böhmen rückten aus der Randlage ins Zentrum, die Metropolen Dresden und Prag kämen sich immer näher. "Sachsen”, sagt Milbradt, "ist dabei auf gutem Weg zur Verkehrsdrehscheibe in Europa zu werden.” Davon würden die Menschen profitieren. Touristen könnten nun schneller in die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge gelangen und die verkehrsgeplagten Menschen an der B 170 würden endlich entlastet, betont zudem Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD), der beim Festakt allerdings eher abseits steht.
Neben der "Via Carolina” - der A 6 von Saarbrücken über Nürnberg nach Prag - ist die "Via Porta Bohemica” die zweite Autobahn-Verbindung zwischen Deutschland und Tschechien. Die Strecke war bereits von den Nationalsozialisten und in der DDR geplant, aber nie verwirklicht worden.

Zahlreiche Brücken und Tunnel
Angesichts der vielen aufwändigen Tunnel und Brücken gilt die Erzgebirgsquerung als ingenieurtechnische Meisterleistung. Zudem wurden zweistellige Millionenbeträge zum Schutz von Kröten, Luchsen und Fledermäusen investiert, nachdem Umweltschützer vie le Jahre gegen die Trasse protestiert hatten. Insgesamt wird der 140 Kilometer lange Neubau 1,6 Milliarden Euro kosten, die EU übernimmt davon 330 Millionen.