Ein ganz besonderes Dienstjubiläum markiert der 22. September. Dann steht Lehmann genau 20 Jahre an der Spitze der katholischen Bischöfe. Für Konservative wie für Reformkräfte gilt er als Mann des Ausgleichs: zwischen Rom, den Bischofskollegen und der Kirchenbasis.
Viel Aufhebens um das seltene Jubiläum ist nicht geplant. Anlässlich der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe, die am Montag in Fulda beginnt, wird der scheidende Apostolische Nuntius, Erzbischof Erwin Josef Ender, das Jubiläum würdigen. Nicht nur in Mainz, das ihn inzwischen zum Ehrenbürger machte, ist der 71-jährige Lehmann über Kirchengrenzen hinweg populär.
"Karl Lehmann ist so etwas wie eine Institution geworden", würdigte Kurienkardinal Walter Kasper den Mainzer zu dessen 70. Ge burtstag. Die beiden Professoren der Theologie sind schon lange Weggefährten. In einem Hirtenwort hatten 1993 die Bischöfe Kasper und Lehmann mit Erzbischof Oskar Saier erklärt, dass geschiedene und wiederverheiratete Katholiken nicht ohne Prüfung des Einzelfalls von der Eucharistie ausgeschlossen werden dürften. Die Zurechtweisung aus Rom kam ein Jahr später.

Heimat in der Ökumene
Am 22. September 1987 wurde Lehmann, gerade 51, zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt. Die Wahl des Theologen war eine dicke Überraschung, galt bis dahin doch die Regel, dass sich die Erzbischöfe von Köln und München im Vorsitz abwechseln. Dieses Hin und Her hätten manche Bischöfe nicht mehr einsehen wollen, erinnert sich Lehmann. Über seine neue Aufgabe sagte er, der Vorsitzende sei nicht Erster unter Gleichen, sondern Gleicher unter Gleichen.
Im Kreis der katholischen Bischöfe zählt Lehmann bis heute zu den erfahrensten Ökumenikern. Schon seit 1969 rückte er in den "Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen" auf, den er als seine "geistig-geistliche Heimat" bezeichnet. Maßgeblich war Lehmann auch beteiligt, als beide großen Kirchen 1980 daran gingen, die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Lehrverurteilungen aufzuarbeiten.
Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) würdigte Ratsvorsitzender Wolfgang Huber zum Dienstjubiläum den Bischofskonferenzvorsitzenden als "Gesicht und Stimme" der katholischen Kirche in Deutschland. Die EKD-Ratsvorsitzenden hätten in ihm einen für die Belange der evangelischen Kirche verständnisvollen und menschlich zugewandten Partner erlebt, so Huber.
Als der Sohn eines Volksschullehrers wuchs Lehmann in der Nähe von Sigmaringen auf. In Freiburg und Rom studierte er Philosophie und Theologie. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde er Assistent des Konziltheologen Karl Rahner, später dann Theologieprofessor in Mainz.
Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1983 zum 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius auf dem Mainzer Bischofsstuhl. Die Ernennung habe ihn "wie aus heiterem Himmel getroffen", erinnerte er sich später. Zur Bischofsweihe schrieb der Freund und Lehrer Rahner über seinen früheren Assistenten: "Er wird ein Bischof abgewogener Klarheit, ein Theologe der Mitte auch als Bischof sein." Mehr als zwei Jahrzehnte später fand Kardinal Kasper: "Als Bischof ist er kein den Menschen entrückter hoher Mainzer Kur- und Kirchenfürst ge wor den."

Lachen mit der Narrenkappe
Ähnlich überraschend erhob der Papst ihn 2001 zum Kardinal. Dass der Mainzer Bischof, der schon lange als kardinalswürdig galt, jahrelang bei Kardinalsernennungen nicht zum Zuge kam, werteten Beobachter als Kritik des Papstes an Lehmanns liberalen Positionen. Manche sahen darin sogar eine Demütigung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, der sich im zähen Streit um Abtreibung und Konfliktberatung dem römischen Druck gebeugt hatte.
Zu Lehmanns Beliebtheit trägt auch sein volksnahes Auftreten bei: Beim Aufstieg des Fußballklubs Mainz 05 in die erste Liga hängte der Kardinal die Vereinsfahne aus dem Fenster des Bischofshauses in der Mainzer Innenstadt. Die Fastnachtsmetropole Mainz ist ihm zur "wirklichen Heimat" geworden, wie er bekannte. Und ohne Zögern setzte sich der Bischof, der herzhaft lachen kann, auch eine Narrenkappe auf, als ihm in Aachen der "Orden wider den tierischen Ernst" verliehen wurde.