Hamlet hat gerade seinen Widersacher erschossen - offensichtlich eine zeitgenössische Inszenierung. Aber auch dem wachen Zuschauer in der Berliner Schaubühne stockt aufgrund der Lautstärke der Atem. Außer dem Pärchen direkt neben mir. Seit Beginn des Stückes flüstern sie sich Kommentare zu - "toll", "geil", "boah!" Auch vorwurfsvolle Blicke anderer Zuschauer irritieren die beiden nicht. Zudem hat der Mann ein markerschütterndes Lachen. Lange musste ich nicht mehr ans Ziehen meiner Backenzähne denken. Der beißende Schmerz, der mir damals vom Kiefer in den Magen fuhr. Doch nun, wenn der Mann lacht, steht Doktor Zange wieder vor mir. Es ist dasselbe Gefühl wie damals, immer und immer wieder: Hamlet spielt den Wahnsinnigen. "Hahaha!" Hamlet wird ins Exil geschickt. "Hahaha!" Ophelia ertränkt sich. "Hahaha!" Der Humor des Mannes wirft viele Fragen auf. "Der Rest ist Schweigen", raunt der vergiftete Hamlet zum Schluss. Das Pärchen interpretiert es anders: Es springt nun auf und jubelt, als wäre Deutschland gerade Fußball-Weltmeister geworden.