Worüber sollen sie streiten? Manche können es nicht lassen und streiten einfach weiter über die Brücke. So meldete sich jüngst Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in einem Interview zu Wort. Dort behauptete der 69-Jährige, der mit dem Projekt noch nie etwas anfangen konnte, doch tatsächlich, die Brücke sei in einer "Art Neuauflage der Breschnew-Doktrin" durchgedrückt worden und am Ende "kein Sieg für die Dresdner". Kein Sieg? Moment mal! Das kann der Dresdner FDP-Mann Jan Mücke nicht auf seiner Stadt sitzen lassen.

Schließlich haben sich die Dresdner dieses Stück Architektur "mühsam gegen Besserwisser aus Berlin und von anderswo selbst erkämpfen müssen". Und da steht sie nun! Ist das ein Sieg, oder was? Zudem findet Mücke, der den umstrittenen Bürgerentscheid zum Brückenbau angezettelt hat, Thierses "Gleichsetzung dieses Entscheidungsprozesses durch die Bürger mit Doktrinen aus der sowjetkommunistischen Steinzeit" abenteuerlich.

Jedenfalls ist der Reiz des Neuen schnell verflogen. Im Schnitt, so war aus dem Dresdner Straßenbauamt zu erfahren, rollen pro Werktag höchstens 25 000 Autos über das Dings mit den zwei riesigen Stahlbögen. Dabei war man ursprünglich von 45 000 Nutzern ausgegangen, die die neue Verbindung zwischen den Stadtteilen Radeberger Vorstadt und Johannstadt nutzen würden. Spitzentag war bislang der 26. August, der Montag nach der Eröffnung. Da registrierte der Zähler an der Altstadtseite immerhin 34 000 Autos, die mal probieren wollten. Am Tag drauf waren es nur noch 27 000. Was haben diese Zahlen zu bedeuten? Enttäuschung? Gefällt die fertige Brücke nicht? Ist die Fahrbahn nicht butterweich genug? Der Blick auf die barocke Altstadt zu verhuscht? Oder nervt das Geflatter der schützenswerten Fledermäuse, die am Ufer wohnen?

Nein, Experten vermuten eher, dass sich die Nutzer durch das Blitzgerät belästigt fühlen, mit dem der Zugang zur Brücke abgesichert wurde. Die Radarfalle schoss schon in der ersten Woche mehr als 1000 Fotos. Stückpreis 25 Euro. Der Waldschlösschenblitzer arbeitet weit effektiver als erwartet - und damit erfolgreicher als die Brücke selbst. Insofern hat Thierse recht.