Michael Haufe will seinen Horizont erweitern: 15 Monate lang wird der Unternehmer für eine Weltumseglung sein Büro am Wolziger See in Brandenburg auf eine Hochsee-Jacht verlegen. Atlantik und Pazifik statt Storkower Gewässer. Von der Karibik über Australien und Kapstadt wieder zurück in die Karibik.

Auch wenn heute sogar Jugendliche schon alleine um die Welt segeln, bleibt so eine Reise ein persönliches Abenteuer. "Sie können nicht alles planen", sagt Haufe. Er fahre aber nicht des Segelns wegen los. Sein Ansporn ist ein anderer: "Ich möchte zeigen, dass man Unternehmen auch von unterwegs führen kann." Vielleicht ist seine eigene Firma dafür besonders geeignet. Schließlich bietet sie seit neuestem selbst Dienste in der sogenannten Cloud - der IT-"Wolke" an. Die Idee der Wolke ist, von überall auf der Welt auf Daten und Programme zugreifen zu können - genau das Richtige also für eine Weltumseglung. "In der Cloud um die Welt" ist denn auch Haufes markiges Motto für die Reise. Zunächst wird ein Skipper mit dem Schiff des 43 Jahre alten Unternehmers zum Auftakt der 23. Hanse Sail Rostock im August in See stechen und es in die Karibik bringen. Er selbst will dort Anfang 2014 die Segel setzen.

"Die Vorbereitung des Projekts läuft seit fünf Jahren." Auch Vorkehrungen wurden getroffen, falls ihm etwas zustößt. Aufgewachsen in der Nähe von Leipzig, entwickelte Michael Haufe früh seine große Leidenschaft fürs Wasser.

Mit neun Jahren habe er bereits sein erstes Surfbrett selbst gebaut. "Im Binnenland kommt die Sehnsucht nach Wasser auf", erklärt er sich das heute. Während seines Studiums an der Humboldt-Universität in Berlin suchte er dann einen Standort für Segelmeisterschaften. So kam er an den Wolziger See unweit der Hauptstadt. Noch heute wohnt Haufe am Rande des Firmengeländes. "Morgens um sechs Uhr mache ich Yoga auf dem Steg, wenn gegenüber die Sonne aufgeht", erzählt er.

Als Jugendlicher träumte Haufe von einer Segelschule, die er erst nach der Wende mit 19 Jahren auf Usedom eröffnen konnte. "Da habe ich mich gefragt: Was kommt jetzt?" Es kamen die erfolgreiche Geschäftsidee mit Seminaren für Schüler und Manager auf dem Wasser sowie die Hochsee-Jacht.

Und nun? "Das Unternehmen soll ohne mich funktionieren." Das sei sein Lebensziel, sagt Haufe. Seine Zukunft sieht er als Ideengeber. "Dafür brauche ich Freiraum." Der Plan, seine Unternehmensdaten auf hoher See abzurufen, sei technisch gesehen nichts Besonderes mehr, sagt Marc Fliehe vom IT-Branchenverband Bitkom. "Denken Sie etwa an Kreuzfahrtschiffe, die haben auch Internetzugang." Der Zugang sei das Einzige, was man brauche, um die Cloud nutzen zu können.

Laut einer Studie des Verbands aus diesem Jahr nutzen bereits ein Drittel aller deutschen Unternehmen Cloud-Lösungen. Bei großen Konzernen ist der Anteil doppelt so hoch. Größter Schwachpunkt beim Abrufen der Daten auf dem Segelschiff sei die relativ geringe Geschwindigkeit bei Satellitenverbindungen, meint Fliehe.

Nach Einschätzung des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft müsse sich Michael Haufe weniger um die Technik Sorgen machen, als um das menschliche Miteinander. "Gerade Klein- und Mittelbetriebe zeichnen sich durch ein über viele Jahre gewachsenes, sehr enges und persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmer und Mitarbeitern aus", sagt Verbandschef Mario Ohoven. Cloud-Enthusiast Haufe will auch vom Boot aus regelmäßig mit seinen Mitarbeitern kommunizieren. Für das ganze Team seien Kennzahlen erarbeitet worden, die es Monat für Monat zu erreichen gelte. Dazu will der Unternehmer Rückmeldungen geben - egal ob von den Galapagos-Inseln oder Indonesien aus.