Wenn er mit seinen Kameraden unterwegs ist, hört er sich die Sorgen der Menschen an. Die Iraker klagten vor allem über Preiserhöhungen und die unsichere Lage, sagt Deluccia.
„Bitte nehmen Sie uns unsere Waffen nicht weg“ , fleht Um Schehab Deluccia während einer Patrouille an und klammert sich an ihre beiden AK-47-Sturmgewehre. Die 51-Jährige ist Wächterin einer armenischen Kirche in der Innenstadt von Bagdad und macht sich wie viele andere Einwohner Sorgen um die Sicherheit. „Jede Nacht versuchen Diebe in unsere Kirche einzubrechen.“ Mit Hilfe eines Dolmetschers erklärt ihr der US-Sergeant, dass Waffen nur zum Schutz von Privatwohnungen eingesetzt werden dürfen. „Aber die Diebe werden uns töten, wenn Sie unsere Waffen einziehen. Die Kirche ist voller Geld und wertvoller Möbel“ , überzeugt Schehab den US-Soldaten schließlich. Deluccia fügt aber hinzu: „Wenn sich Ihr Mann mit der Waffe außerhalb des Hauses blicken lässt, haben wir den Befehl zu schießen.“
Die täglichen Patrouillen dienen der US-Einheit auch dazu, die Meinung der Iraker gegenüber den US-Besatzern ausfindig zu machen. „Die Stimmung ist im Allgemeinen positiv“ , hat der Kommandeur der Einheit, Sergeant William McLeroy, festgestellt. Vor ein paar Wochen hätten seine Männer noch Kriegspropaganda betrieben. Sie hätten Flugblätter verteilt und die Leute während der Kämpfe in ihre Häuser zurückgeschickt. Die jetzige Mission sei im Vergleich zum Einsatz während des Krieges „informativer“ , sagt McLeroy: „Wir lernen die Menschen kennen und geben ihnen Auskunft über Alltagsdinge.“ Auf diese Weise gewinnen die US-Soldaten offenbar das Vertrauen der Iraker.
So wird die Anwesenheit der Einheit an der Tankstelle El Falestin besonders geschätzt. „Wir machen die Tankstelle nur auf, wenn die Soldaten da sind, um uns zu beschützen“ , sagt der Besitzer Rajed Latif. Sergeant Deluccia warnt jedoch vor zu viel Zutrauen. „Wir können kein Sicherheitsdienst sein, weil wir das Land nicht regieren wollen“ , sagt er. Die Iraker müssten das Vertrauen in ihre eigene Polizei wiederfinden.
Auch Saad Adel, der Inhaber einer Ladenkette, wünscht sich die irakischen Ordnungshüter zurück. „Die irakische Polizei weiß wenigstens, wer die Gauner sind.“ Bis auf weiteres verlässt sich Adel auf Selbstverteidigung. Er lüftet diskret sein Hemd und entblößt seine Pistole. Für seine Läden bezahlt er Wachmänner. „Grundsätzlich bin ich mit der Entwaffnung von Zivilisten einverstanden“ , sagt Adel. „Aber man muss es systematisch machen. Sonst werden die Banden die Oberhand gewinnen.“