Für vier Seeleute in Nigeria geht der Albtraum hingegen gerade erst los.

Piraten hatten im Frühjahr 2010 die unter der Flagge Panamas fahrende "MV Iceberg 1" gekapert und die Crew in ihre Gewalt gebracht. Verhandlungen unter Vermittlung von Dorfältesten führten nun offenbar zum Erfolg. Lösegeld sei nicht gezahlt worden, erklärten die Behörden.

Die Besatzung stammt aus dem Jemen, Indien, Ghana, Pakistan, dem Sudan und den Philippinen. Nach der Freilassung wurden die Männer zunächst medizinisch betreut, da sie von den Piraten auch gefoltert wurden. "Nach zwei Jahren und neun Monaten Gefangenschaft zeigen die Seeleute Zeichen von körperlicher Folter und Krankheit", hieß es in einer Mitteilung. "Die Geiseln erhalten derzeit Nahrung und werden medizinisch versorgt."

Sicherheitskräfte aus der halbautonomen Region Puntland im Nordosten Somalias hatten seit Wochen versucht, das Schiff und die Crew zu befreien. Eine gewaltsame Aktion war am 10. Dezember fehlgeschlagen.

Fünf Tage später tötete die Polizei aus Puntland drei mutmaßliche Piraten und nahm drei weitere fest. Sie hatten versucht, mehrere Seeräubergruppen mit Waffen zu versorgen - in derselben Region, in der die entführten Seeleute festgehalten wurden.

Anschließend sei es zu Verhandlungen gekommen, die unter Vermittlung von Dorfältesten stattfanden, sagten Beobachter in Puntlands Hauptstadt Garowe.

Zum Schutz der Schifffahrtrouten am Horn von Afrika ist seit dem Jahr 2008 auch die EU-Mission "Atalanta" im Einsatz, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt.

Unterdessen schlagen Piraten auch in Westafrika weiter zu. Am Wochenende brachten Unbekannte vor der Südküste Nigerias ein Schiff und die aus drei Italienern und einem Ukrainer bestehende Besatzung in ihre Gewalt, teilte das Außenministerium in Rom mit. Die "MV Asso Ventuno" wurde am Sonntag von sieben bewaffneten Seeräubern angegriffen, die mit einem Schnellboot gekommen waren. Das Schiff wurde inzwischen wieder freigegeben.

Im italienischen Außenministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet.