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| 03:34 Uhr

Seehofer vor Krönung in Bayern

München. Mit Horst Seehofer als Parteichef und bayerischer Ministerpräsident will die CSU ihre alte Stärke zurückerobern.

Nach tagelangem Machtkampf nominierte die Landtagsfraktion den derzeitigen Bundesagrarminister gestern als Nachfolger von Ministerpräsident Günther Beckstein. Zugleich zog die CSU nach ihrem Wahldebakel einen Schlussstrich unter ihren Personalstreit und bestätigte Fraktionschef Georg Schmid im Amt. Die Fraktion nominierte Seehofer mit einer Zustimmung von 88,4 Prozent für das Amt des Regierungschefs. Für den 59-jährigen Seehofer stimmten 76 Abgeordnete, gegen ihn zehn. Der 55-jährige Schmid wurde mit 80,9 Prozent im Amt des Fraktionschefs bestätigt. 72 Abgeordnete votierten für, 17 gegen Schmid. Seehofer kündigte einen kooperativen Politikstil an. "Basta wird es nicht geben", sagte er am Rande der CSU-Vorstandssitzung in München. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet nun ein Ende der Turbulenzen in der Schwesterpartei. Seehofer sei "die geeignete Persönlichkeit, die CSU in die Bundestagswahl, in die europäische Wahl und in eine gute Zukunft Bayerns zu führen", sagte Merkel in Berlin. Nach Einschätzung von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wird Seehofer "verstärkt Interessen aus Bayern nach Berlin tragen". Dies mache die gemeinsame Arbeit möglicherweise nicht einfacher, sagte Kauder der ARD. Unterdessen wird die Zeit für die Bildung der Koalitionsregierung in Bayern knapp. Heute ist ein zweites Sondierungsgespräch zwischen der CSU und ihrem wahrscheinlichen Partner FDP angesetzt. Die Freidemokraten haben für den 26. Oktober einen Sonderparteitag zur Abstimmung über den Koalitionsvertrag eingeplant. Bereits am 25. Oktober soll ein CSU-Sonderparteitag dem Vertrag zustimmen und Seehofer zum neuen Vorsitzenden küren. Am 27. Oktober könnte Seehofer im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden. FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger begrüßte Seehofers Nominierung. Die ehemalige Bundesjustizministerin schloss für sich einen Wechsel in die Landespolitik nicht aus.dpa/roe