Der Applaus für Horst Seehofer ist ein bisschen länger. Und er spricht beim Parteitag der sächsischen CDU auch ein bisschen länger als sein „Freund Stanislaw“. Doch mit dem, was der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident zur Flüchtlingskrise sagt, rennt er bei Stanislaw Tillichs Union offene Türen ein. Die Krise sei nur zu meistern, „wenn es uns gelingt, die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren und die Zahl der Flüchtlinge zu begrenzen. Ansonsten werden wir scheitern, gnadenlos scheitern.“ Tosender Applaus.

„Wir sprechen das aus“, meint Seehofer. „Der Stanislaw und ich, wir nehmen das für uns in Anspruch.“ Das Allerschlimmste sei, Menschen Hoffnungen zu machen, die man nicht erfüllen könne.

Es soll zeigen: Sachsen und Bayern stehen in der Krise zusammen, Seite an Seite. Vielleicht auch gegen Berlin, gegen andere in der Union? Deutschland könne die Krise nicht allein bewältigen. Das habe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel immer schon gesagt, betont Tillich. „Zur Verantwortung gehört aber auch, zu sagen, dass die Grenzen des Machbaren erreicht sind.“ Es gehe um den Zusammenhalt in der Gesellschaft. „Es geht um die Handlungsfähigkeit unserer Partei als Regierungspartei, ob in Berlin, in Dresden, in den Landkreisen und in den Kommunen“, sagt der sächsische Regierungschef.

Zwar ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière nicht mehr dabei beim Parteitag. Wegen der Anschläge von Paris musste er seine sächsischen Parteikollegen in Neukieritzsch schon vor Beginn am Morgen verlassen und zu Krisenberatungen nach Berlin. „Lass dich nicht beirren“, ruft Tillich ihm später vom Podium hinterher - und meint die Einschränkung des Familiennachzugs auch für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien.

„Wir haben uns die Flüchtlingskrise nicht ausgesucht. Nein, sie hat sich uns ausgesucht“, sagt Tillich. Und nun müsse man sehen, wie man damit fertig wird. Dazu brauche es Regeln, auch bei der Integration. Sie müsse innerhalb der Strukturen der Gesellschaft geschehen. In Sachsen solle es nicht geben, was er in westdeutschen Großstädten sieht. „Ich will keine Parallelgesellschaften. Ich will keine Ghettobildung. Ich will keine rechtsfreien Räume.“

Integrieren könne man aber eben nicht alle. Deshalb dürften Armut, Naturkatastrophen oder die allgemeine Perspektivlosigkeit anderswo hierzulande kein Asylgrund sein, heißt es in einem 10-Punkte-Plan zum Thema Asyl, der laut Beschluss des Landesparteitags beim Bundesparteitag der CDU Anfang Dezember eingebracht werden soll. Um diese Flüchtlinge fernzuhalten, sollen die EU-Außengrenzen sicherer gemacht werden. Solange sie das nicht sind, halten Tillich und Seehofer auch schärfere Kontrollen an den deutschen Grenzen für nötig.

„Integration, Humanität, Begrenzung“ - das müsse die Botschaft der Unionspolitik sein, sagt Seehofer. „Nur wenn uns die Integration gelingt, werden wir soziale Spannungen in unserer Gesellschaft verhindern“, sagt er. „Es gibt keine Gesellschaft, die die unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen bewältigen kann. Auch die reichsten Länder können das nicht.“

Dass er das schon lange sagt und die Stimmung im Lichte der Entwicklung auch bei seinen politischen Gegnern nun dreht, sei für ihn als Bayern völlig normal, sagt Seehofer. „Wenn wir einen Vorschlag machen - und ich noch dazu -, dann kommt zunächst Entrüstung, bundesweite Entrüstung. Dann vergeht eine gewisse Schamfrist. Dann kommt die Ernüchterung. Dann vergeht wieder eine gewisse Schamfrist. Und dann kommt die Zustimmung. Das ist ein Naturgesetz.“ Nochmal tosender Applaus.