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Schwimmt im Seenland bald eine Jugendherberge?

Der "rostige Nagel" strahlt als ein Leuchtturm im Lausitzer Seenland. Am Kleinkoschener Ufer des Sedlitzer Sees gelegen, lockt er vor allem Radtouristen an. Der Blick über die Seenkette ist atemberaubend.
Der "rostige Nagel" strahlt als ein Leuchtturm im Lausitzer Seenland. Am Kleinkoschener Ufer des Sedlitzer Sees gelegen, lockt er vor allem Radtouristen an. Der Blick über die Seenkette ist atemberaubend. FOTO: str1
Welzow. Ein Jahrzehnt lang hat die IBA Fürst-Pückler-Land Zeichen für die Lausitz nach der Braunkohle gesetzt. Im Jahre 2000 noch als Spinner angesehen, initiierte die Kreativabteilung um Prof. Rolf Kuhn Aufbruchstimmung. Im Lausitzer Seenland wuchsen Leuchttürme. Wie steht es um ihre Strahlkraft gut vier Jahre nach dem Ende der IBA? Christian Taubert / Interaktive Seenlandkarte auf: lr-online.de/seenland Interaktive Seenlandkarte auf: lr-online.de/seenland

Auf eine solche, durchaus provokante Frage reagiert Professor Rolf Kuhn gern mit einer Gegenfrage: Stellen Sie sich vor, es hätte die Internationale Bauausstellung (IBA) 2000 bis 2010 nicht gegeben. Was wäre wohl geworden aus dem ehemaligen Tagebau Meuro? Jener Grube, die nach 1990 als Mondlandschaft vor den Toren von Großräschen lag. Wo mit Großräschen-Süd 4000 Einwohner umgesiedelt wurden - so viele wie nirgendwo in der Region.

"Ja", sagt Kuhn vor den Zuhörern der Info-Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Welzow, "es sollten 20 Tagebauseen entstehen." Doch 20-mal der Senftenberger See mit Badestrand, "das wäre ein Fiasko geworden", ist sich der ehemalige IBA-Geschäftsführer sicher. Es sei ein großes Glück für die Region gewesen, dass nach der IBA Emscher Park im Ruhrgebiet der Staffelstab in die Lausitz weitergereicht wurde. Die fünf Landkreise im Süden und das kreisfreie Cottbus waren sich damals einig, die IBA als Impulsgeber zu brauchen.

"Heute strahlen Leuchttürme überall im Seenland", blickt Kuhn auf ein Jahrzehnt IBA zurück. Aber er weicht der Fragestellung nach dem "Wie weiter?" und was alles nicht realisiert werden konnte, nicht aus. Mit Studenten sei er gerade dabei, Standorte für eine schwimmende Jugendherberge zu untersuchen. "Die erste in Deutschland", macht er die Zuhörer im ehemaligen Bahnhof von Welzow neugierig. Als Chef des Großräschener IBA-Studierhauses, dessen "Schätze" bei Studierenden und Wissenschaftlern aus aller Herren Länder begehrt sind, schaut Kuhn nicht nur zurück.

Das Jugendherbergsprojekt hat ihn vielmehr seit Jahren nicht losgelassen. Doch als er dem Deutschen Jugendherbergswerk das ehemalige Ledigenwohnheim der Ilse Bergbau AG direkt am künftigen Großräschener See angeboten hatte, wolle man lieber warten, bis Wasser im See ist. Später wurde die Idee entwickelt, mit der Herberge aufs Wasser zu gehen. Auf den Sedlitzer See. "Seit acht Jahren schmort unser Projekt inzwischen in der Schublade", bestätigt Alexander Fritzke, der Chef des Jugendherbergswerkes Berlin-Brandenburg. Er ist in Welzow mit im Saal.

Fritzke erläutert gegenüber der RUNDSCHAU, dass zu dem Konzept ein Versorgungsgebäude an Land sowie über Stege erreichbare Unterkünfte auf dem See gehören. "Die schwimmende Jugendherberge wäre ein absolutes Alleinstellungsmerkmal", sagt der Verbandsvorsitzende. Um das Projekt zu realisieren, würden allerdings Fördermittel von Land, Bund und EU benötigt. Unterdessen hat die "Kreativgruppe Kuhn" das Vorhaben schon mal von der Ost- auf die Westseite von Sedlitz verlagert. In der Nähe der Bahnstation könnte die Jugendherberge auch auf dem Großräschener See schwimmen.

Das Projekt des Jugendherbergswerkes hätte Rolf Kuhn nur zu gern mit in die Reihe jener IBA-Leuchttürme eingereiht, die vom Besucherbergwerk F 60 in Lichterfeld, über die IBA-Terrassen Großräschen bis zur Landmarke "Lausitzer Seenland" - dem "Rostigen Nagel" - reichen. Er verschweigt aber auch nicht, dass es Sand im Getriebe von angeschobenen Vorhaben gibt. So könnten die Biotürme in Lauchhammer ebenso mehr Engagement vor Ort vertragen wie das Landschaftsbauwerk "Hand" am Altdöberner See. Zu seinen größten Enttäuschungen gehört allerdings die Entscheidung des Stadtparlamentes von Senftenberg, die das Lagunendorf Sedlitz - eine Wohnsiedlung auf Landfingern ähnlichen Halbinseln - ablehnte. "Das ist eine vertane Chance", ist sich Kuhn sicher.

Und das, obwohl auch im IBA-Jahrzehnt nicht immer Unmögliches wahr geworden ist. Dazu gehört die Idee einer auf der Spitze stehenden Glaspyramide inmitten des Großräschener Sees, der schwimmende Steg über den Altdöberner See oder das schwimmende Restaurant auf dem Bergheider See unterhalb des liegenden Eiffelturmes der Lausitz. In Welzow nennt Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) auch das Projekt "Wüste - Oase", das von den Bürgern abgelehnt worden war. "Die Machbarkeit hatten wir nachgewiesen", schildert Rolf Kuhn, dass eine geschüttete Tagebaufolgelandschaft für touristische Zwecke erhalten bleiben sollte.

Die Welzower nutzen den Tagebau vor der Haustür unterdessen längst als Chance. Der Bergbautourismusverein, der im ehemaligen Bahnhof seine Heimstatt hat, bietet seit 2010 Touren in die Grube Welzow-Süd an. Mehr als 13 000 Besucher pro Jahr nehmen die Angebote an. "Der Erfolgsbaustein Welzow gehört zum Seenland", sagt Kuhn. Für ihn seien die Welzower auf dem richtigen Weg. Mit Bergmanns- und Feuerwehrpark sowie Gleispromenade werde das Tourismusangebot erweitert und ganz im IBA-Sinne auf Attraktivität gesetzt.