Während der jüngsten Hitzeperiode im Juni/Juli ging es am Rande der zu Vetschau gehörenden Gemeinde Laasow - 1992 noch an der Kante des Tagebaus Gräbendorf gelegen - turbulent zu. In die neue Beachbar "La Fiducia" von Julia Borcherding am Ufer des inzwischen zu einem See gefluteten Tagebaurestloches waren an Wochenenden 250 bis 300 Besucher täglich gekommen. Sie haben sich in den Fluten des 425 Hektar großen Gräbendorfer Sees erfrischt und abends Beachparty gefeiert. "Der Zulauf hat uns überrascht", räumt Gunther Walter ein. Er betreibt hier eine Tauchschule. Freizeitsportler aus Cottbus, Berlin oder Dresden haben bei ihm inzwischen in Drei-Wochen-Lehrgängen den Tauchschein erworben.
Seit gut zwei Wochen gibt es am Laasower Steg unterhalb der Beachbar eine weitere Attraktion. Auf Betonpontons schwimmt jenes Holzhaus, dessen Ankerung die IBA fast zwei Jahre lang vorbereitet und auf das Gunther Walter geduldig gewartet hat. Heute wird mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) Richtfest gefeiert. Danach geht der Innenausbau weiter, um Walters künftige Tauchstation zu vollenden. Auf 120 Quadratmetern sollen hier ein Shop, Schulungsräume und die Tauchschule Platz finden.

Vorsprung soll genutzt werden
"Dieses schwimmende Haus wird die Nachfrage weiter anheizen", ist IBA-Projektbetreuer Feiler überzeugt. Immerhin sind für den Standort Laasow insgesamt zehn Häuser geplant, die den Traum vom Wohnen auf dem Wasser wahr werden lassen sollen. Hinzu kommt ein Areal auf der gegenüberliegenden Seeseite bei Casel, wo noch einmal zehn Schwimmhäuser geplant sind.
"Zurzeit können wir den Bedarf nicht befriedigen", räumt Feiler ein. Bisher sei mit einer Vielzahl von Partnern - von der Stadt Vetschau über den Landkreis bis zu den Bergbausanierern der LMBV - viel Kraft in das Gräbendorfer Projekt investiert worden. Jetzt gehe es um weitere Standort-Entwicklungen, "die noch Zeit brauchen. Wir dürfen aber auch nicht Jahre ins Land ziehen lassen", warnt Michael Feiler. Es gebe genügend Interessenten, die ihren Zweit- und sogar Erstwohnsitz aufs Wasser verlegen möchten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass mögliche Konkurrenten schneller sind. Unseren Vorsprung müssen wir nutzen."
Das trifft auch auf den Partwitzer See zu, der an der Landesgrenze zu Sachsen gelegen und mit einem schiffbaren Kanal mit dem Sedlitzer See im Brandenburgischen verbunden ist. Hier hat das erste schwimmende Haus im Lausitzer Seenland bei Urlaubern und Tagesgästen überaus großen Anklang gefunden. Nach Angaben der Aqua Terra Lausitz GbR haben seit der Eröffnung im Mai schon 28 Familien das Angebot genutzt, im Haus auf dem Partwitzer See einen Urlaub oder einige freie Tage zu verleben. Lediglich im September und Oktober seien noch wenige Tage frei, um die neue Lebensart auf dem Wasser in dem zweigeschossigen Haustyp (40 Quadratmeter) mit Flur, Wohnküche, Schlafzimmer mit Panoramafenster, Bad und WC sowie Sonnendeck zu testen.
Der Andrang bestätigt die Planungen für den Partwitzer See. Immerhin haben sie 50 Häuser für diesen Standort ins Visier genommen. Das Projekt Wohnhafen Scado könnte zudem zu einem architektonischen Leckerbissen werden. Denn hier sollen zunächst 20 Häuser des Metallbauers Thomas Wilde aus Massen (Elbe-Elster) vor Anker gehen. Mit seinem go-tic-Haus, einer Konstruktion aus Glas, Stahl und Holz, hat Wilde einen der bedeutendsten Designerpreise weltweit erhalten - den "iF product design award 2006". Das modulare Hauskonzept, dessen Entwurf aus der Schmiede des bekannten Potsdamer Designers Albrecht Ecke stammt, hatte mehr als 2000 Mitbewerber aus 37 Ländern hinter sich gelassen.

Restaurant mit Blick auf die F 60
Das go-tic-Haus haben sich die Sachsen auch für eines der Projekte am Geierswalder See ausgewählt. Der IBA-Experte Feiler sieht dort einmal mehr als 20 Häuser entstehen. Zur Architektur auf dem Wasser gehöre einerseits aber noch das geplante schwimmende Restaurant mitten auf dem Bergheider See mit Blick auf die Kulisse des liegenden Eiffelturmes im Pückler-Land, der Förderbrücke F 60 bei Lichterfeld (Elbe-Elster).
Andererseits verweist Feiler auf den seit Jahren in der Planung befindlichen schwimmenden Steg. Er soll künftig zu einer Attraktion im Sedlitzer See werden. "Allerdings wird die touristische Nutzung nicht ausreichen", sagt Feiler. "Wenn es gelänge, etwa eine Muschelzucht anzusiedeln, würde das die Attraktivität steigern und sicher auch der Wirtschaftlichkeit des Projektes dienen."