Der 1936 geborene Hazem al-Beblawi ist studierter Jurist und Ökonom. Als Funktionsträger in ägyptischen und überregionalen Entwicklungsbanken und -organisationen verfügt er über erhebliche internationale Erfahrung. Wer sich anschickt, die schwer angeschlagene ägyptische Wirtschaft und Reformprogramme zu managen, wird diese Expertise brauchen.

Al-Beblawi studierte Rechtswissenschaften in Kairo und Wirtschaftswissenschaften in Paris und Grenoble. Von 1983 bis 1995 war er Generaldirektor der Ägyptischen Exportentwicklungsbank, von 1995 bis 2000 Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Westasien (ESCWA) und von 2001 bis 2011 schließlich Berater des Arabischen Währungsfonds in Abu Dhabi.

Nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Husni Mubarak im Februar 2011 gründete Al-Beblawi in seiner Heimat gemeinsam mit Gleichgesinnten die Ägyptische Sozialdemokratische Partei. Die post-revolutionäre Dynamik bescherte dem Experten bald ein Regierungsamt. Im Juli 2011 wurde er Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident für Wirtschaft.

Im Oktober 2011 wollte er aus Protest gegen die gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen der christlichen Kopten zurücktreten - der damals herrschende Militärrat nahm die Demission nicht an. Schließlich verließ er im November 2011 das Kabinett. Über seine ersten Erfahrungen im Getriebe der Regierungspolitik veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel "Vier Monate im Regierungskäfig".

Die Muslimbruderschaft setzt nach ihrem Sturz auf Blockade. Die Islamisten lehnten am Dienstag sowohl Hazem al-Beblawi als auch einen Fahrplan für Neuwahlen binnen sechs Monaten ab. Für die Muslimbrüder sind die Entmachtung von Präsident Mohammed Mursi und alle darauffolgenden Schritte illegitim.