Baaske hat mit Mothes geredet und zeigte sich nach dem Gespräch sehr angetan von den Vorstellungen des Mecklenburgers. Der hatte von 1998 bis 2008 als landesbeauftragter seines Bundeslandes gearbeitet. Eine erneute Wahl in dieses Amt durch den Landtag in Schwerin war gesetzlich ausgeschlossen und Mothes wechselte in das Kultusministerium, in dem er das Kunst- und Museumsreferat leitet. CDU ist einverstandenDie CDU-Fraktionsvorsitzende Saskia Funck bestätigte gestern die Angaben von Baaske, wonach der Name von Mothes zuerst von der christdemokratischen Landesvorsitzenden und Kultusministerin Johanna Wanka ins Spiel gebracht wurde. Die CDU sei deswegen auch mit diesem Personalvorschlag einverstanden. Jörn Mothes sagte, es habe ein erstes Gespräch gegeben, bei dem es weniger um seine Person als vielmehr um die Vorstellungen zu den Aufgaben eines Beauftragten gegangen sei. Dies sei für ihn auch vorrangig zu klären. Denn aus seiner Sicht ist eine enge Verzahnung der Arbeit eines Landesbeauftragten und der politischen Bildung sinnvoll. So ist in Schwerin die Arbeit der Nachfolgerin von Mothes, Marita Pagels-Heineking, auch eng verknüpft mit der der Landeszentrale für politische Bildung, die beide im Kultusministerium angesiedelt sind. Die Landeszentrale wird von dem früheren Stellvertreter von Mothes geleitet. Bevor Mothes in Potsdam zu arbeiten anfängt, soll aus seiner Sicht geklärt werden, welche neuen, "zeitgemäßen" Aufgaben das Amt haben könnte und in wie weit es mit anderen Landesbehörden zusammenarbeitet, die jetzt schon aktiv sind in der Aufarbeitung der SED-Diktatur sind. Mothes hat dazu vor einiger Zeit seine Vorstellungen im "Deutschland-Archiv" veröffentlicht. Er will auch einen neuen Titel für das Amt. "Beauftragter für die Aufarbeitung von Dikaturfolgen" hat er selbst vorgeschlagen. Dies umfasse dann auch die Arbeit mit den noch lebenden NS-Opfern und Angehörigen von Verfolgten der Nazi-Zeit. Betreuung und BildungUnd Mothes hat dabei auch vorgeschlagen, dass diese Betreuung der Opfer eng verknüpft sein soll mit Initiativen zur politischen Bildung. Er sagt zu der Potsdamer Diskussion, dass "für mich erst einmal das Gespräch über die zukünftigen Aufgaben ansteht". In so fern berate er jetzt gerne die Brandenburger, die ihn um Rat fragen würden und so habe er auch sein erstes Gespräch mit Baaske verstanden. Erst danach solle über Personen und damit möglicherweise auch über seine berufliche Zukunft gesprochen werden.Der 45-jährige Mothes war selbst ein Betroffener umfangreicher Bespitzelungsmaßnahmen der DDR-Staatssicherheit. Er hat von 1983 bis 1989 Theologie studiert und war vor allem in der Umweltbewegung aktiv. Nach 1989 leitete er den Nationalpark Müritz, bevor er dann 1993 zunächst stellvertretender, dann 1998 von Landtag gewählter Stasi-Beauftragter wurde. Um seine Wiederwahl gab es im Jahr 2003 innerhalb der damals in Schwerin regierenden rot-roten Koalition erhebliche Kontroversen. In Mecklenburg-Vorpommern genießt er seither den Ruf eines integren Mannes, dem politische Rücksichtnahme oder Anpassung an wechselnde Mehrheiten fremd sind.