Zu den Feierlichkeiten im kleinen Rahmen wurde unter anderen Castros Verbündeter, der venezolanische Präsident Hugo Chávez, erwartet. Die kubanische Presse veröffentlichte erstmals seit dessen Operation vor zwei Wochen Fotos des angeschlagen wirkenden Revolutionsführers. Dieser kann nach Berichten der staatlichen Medien inzwischen wieder laufen.
Der venezolanische Präsident Chávez sagte vor 25 000 Anhängern in Caracas, er werde Castro "stellvertretend für euch alle umarmen" und dem "Máximo lider" verschiedene Geschenke überreichen. Neben einer Geburtstagstorte werde er zwei Gegenstände aus dem Besitz des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolivar mitbringen: einen Dolch sowie eine Porzellantasse mit einer Abbildung von Napoleon Bonaparte.
In der Online-Ausgabe der Zeitung der Kommunistischen Jugend, "Juventud Rebelde" erschienen gestern auf der Titelseite vier Bilder Castros mit der Botschaft: "Ich fühle mich sehr glücklich." Laut dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, "Granma", befindet sich Castro auf dem Weg der Genesung. Die Zeitung berichtete, der Revolutionsführer habe sich von seinem Krankenbett erhoben und sei nach einer Physiotherapie im Zimmer auf- und abgegangen. Anschließend habe er in einem Sessel Platz genommen und sich angeregt unterhalten. Er sei stark wie ein "Caguairán" (ein in Kuba vorkommender Hartholzbaum) und wirke, als wolle er "neue Siege erringen", hieß es in dem Artikel.
Der Chef der diplomatischen Mission der USA in Kuba, Michael Parmly, nahm überraschend an einem Konzert für Castro in Havanna teil. Als Parmly während der Veranstaltung neben der so genannten Antiimperialistischen Tribüne gegenüber der US-Mission von Fotografen und Kameraleuten entdeckt worden war, verschwand er zwischen Studenten, die ebenfalls zu dem Konzert erschienen waren. Dutzende Künstler beteiligten sich an der Aufführung einer "Kantate für das Vaterland", unter ihnen die betagte Musikerin der weltbekannten Gruppe Buena Vista Social Club, Omara Portuondo. Zu Beginn des Konzerts, das in Anwesenheit hoher Parteifunktionäre stattfand, unter ihnen Parlamentspräsident Ricardo Alarcón, wurde eine Erklärung verlesen, in der die "öffentlichen und geheimen Pläne" der USA verurteilt wurden, in Kuba einen Machtwechsel herbeizuführen. Aus Anlass von Castros Geburtstag wollten 120 000 Landarbeiter wie in den 60er-Jahren nach der Revolution von 1959 eine Sonderschicht einlegen, um die Zuckerernte einzubringen, wie kubanische Medien berichten.
Castro wurde seit Ende Juli nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Anfang August ließ er mitteilen, dass er sich einer Darmoperation unterziehen musste und die Amtsgeschäfte "vorübergehend" an seinen Bruder, Verteidigungsminister Raúl Castro, übergebe. Die ursprünglich vorgesehenen offiziellen Feiern zu Castros 80. wurden auf den 2. Dezember verschoben. An diesem Tag des Jahres 1956 war Castro mit 81 Kampfgefährten an Bord der Yacht "Granma" von Mexiko aus nach Kuba gestartet.
(AFP/roe)