Wie hoch muss die Zahl der Toten sein, damit eine Kriegshandlung als Kriegsverbrechen eingestuft wird? Lässt Leid sich in Zahlen bemessen? Am 13. und 14. Februar 1945 hatten Briten und Amerikaner die Stadt an der Elbe bombardiert und unzählbares Leid verursacht - so wie zuvor Deutschland in vielen Teilen Europas. Gerade deshalb hat die Diskussion um die Opfer von Dresden einen Beigeschmack. Denn Rechtsextreme versuchen immer wieder, mit dem Fingerzeig auf Dresden deutsche Schuld in Unschuld zu verwandeln oder zu relativieren. Seit Jahren treffen sie sich am Tag des Gedenkens zu einem provokanten "Trauermarsch" in der Stadt. Maximal 25 000 Tote Im Bemühen um eine Beilegung des Streits setzte Dresden 2004 eine Historikerkommission ein, um anhand von Akten Mutmaßungen durch Klarheit zu ersetzen. Im Oktober 2008 legten die Experten Resultate vor. Demnach kamen bei den Bombardements maximal 25 000 Menschen ums Leben - eine Hochrechnung. Bisher sind rund 18 000 Todesopfer nachweisbar. In Friedhofsakten gibt es noch widersprüchliche Angaben. Manche Dresdner reagierten auf die ihrer Meinung nach "zu niedrigen" Zahlen geradezu mit Empörung. Rechtsextreme witterten wie so oft eine Verschwörung. Dabei hatte die Kommission alle vorhandenen Dokumente eingesehen und das Ausmaß der Angriffe deutlich benannt. "Der Name Dresden wird immer verbunden bleiben mit einer der schlimmsten Katastrophen des Zweiten Weltkrieges", sagte der Potsdamer Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller damals. "Irrsinnige Zahlenspekulationen" würden aber das "Denken über Dresden hinaus" blockieren, sagte er und erinnerte an weitere Luftangriffe wie die auf Hamburg mit 40 000 Toten und Tokio mit rund 100 000 Opfern. Für Müller hat der Krieg eine "große internationale Opfergemeinschaft" hinterlassen. Vor allem für Zeitzeugen aus Dresden scheint das kein Trost. Bei vielen verhindert das Trauma eine Relativierung. Mit Legenden aufgeräumt Die Historiker verwiesen in ihrem Zwischenbericht darauf, dass auch Dresdner Behörden im März 1945 von etwa 25 000 Opfern ausgingen. Konträr zu lokalen Statistiken habe die Nazi-Propaganda bereits wenige Tage nach den Angriffen höhere Zahlen genannt. "Im März 1945 wies schließlich das Auswärtige Amt die deutschen Gesandtschaften im neutralen Ausland an, Opferzahlen von bis zu 200 000 Toten zu verwenden", heißt es im Kommissionsbericht. Auch mit anderen Legenden räumten die Experten auf. Die Mutmaßung, dass viele Menschen im Feuersturm restlos verbrannten, wurde bei Materialuntersuchungen nicht bestätigt. In den Luftschutzkellern, wo die meisten Zuflucht suchten, entstanden keine derart hohen Temperaturen. Die Leichen der Opfer fand man. Nach Angaben der Wissenschaftler trat die extreme Hitze vor allem in den oberen Stockwerken auf, aus denen viele aber bereits geflüchtet waren. Die Historiker gingen auch der Frage nach, ob damals Tiefflieger die Einwohner gezielt unter Beschuss nahmen. Dazu wurden Angaben von 270 Zeugen geprüft und Schauplätze nach Munition untersucht. Die Experten fanden "keine schlüssigen Belege für systematischen Bordwaffenbeschuss". Möglicherweise seien Luftkämpfe über Dresden als Tieffliegerangriffe wahrgenommen worden, hieß es.