Am kommenden Samstag feiert Lilo, wie Freunde und Fans sie gern nennen, ihren 85. Geburtstag. Die schöne Schweizerin war die "Feel Good"-Diva, der Star des Wohlfühlkinos, das die Deutschen in den Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahren so sehr mochten. "Ich denke oft an Piroschka", "Das Wirtshaus im Spessart" - das sind bleibende Komödienklassiker.

Mit ihrem Temperament und ihrer unglaublichen Spielfreude beeindruckte die Berner Ingenieurstochter nicht nur das Publikum, sondern auch große Filmpartner. Ganz sicher hätte sie auch neben Hollywood-Stars glänzend ausgesehen. Doch der Sprung ins amerikanische Film-Mekka blieb Pulver nicht zuletzt wegen ihres schweizerischen Pflichtgefühls versagt. Weil sie Verträge in Deutschland nicht brechen wollte, ließ sie Angebote aus Kalifornien sausen. Doch in Deutschland, Österreich und in ihrer Heimat war und ist sie nicht weniger beliebt und verehrt als die Besten, die Hollywood zu bieten hat.

Dass es auch eine Spur reifer als in "Piroschka" geht, zeigte sie 1957 als Schriftstellerin Juliane Thoma im ebenfalls großen Kinoerfolg "Die Zürcher Verlobung" an der Seite von Paul Hubschmid. Und ihr Talent für dramatische Rollen bewies Pulver unter anderem als lesbische Äbtissin in der Diderot-Verfilmung "Die Nonne" (1965).

Dramen haben auch immer wieder ihr wirkliches Leben begleitet. 1989 nahm sich ihre Tochter Melisande (geboren 1968) das Leben, die als schizophren und drogenabhängig diagnostiziert worden war. Drei Jahre später musste Pulver den Tod ihres Ehemanns, des deutschen Schauspielers und Regisseur Helmut Schmid, verkraften, der mit nur 67 Jahren starb. Doch immer wieder fand die Schauspielerin den Weg zurück aus der Verzweiflung zu neuem Lebensmut und neuer Hoffnung. Noch mit 80 erschien die Tochter einer Sängerin bei einer Hochzeitsfeier mit großer Geste in aufsehenerregendem Lila. Später zog sie aus einer Berner Altersresidenz wieder aus, um erneut selbstständig am Genfer S ee zu leben, wo auch Sohn Marc-Tell wohnt.