Gerade einmal 62 Tage ist es her, dass Sozialdemokraten und Grüne in Schweden die Macht übernommen haben. Voller Zuversicht präsentierte Ministerpräsident Stefan Löfven damals seine Regierung. Sie hat genau zwei Monate überdauert. Am Mittwoch schmetterte das Parlament den rot-grünen Haushaltsentwurf ab, nun steht die Minderheitsregierung vor einem Scherbenhaufen. Den rechtspopulistischen Schwedendemokraten dagegen ist genau das gelungen, was sie sich nach ihrem Wahlerfolg im September vorgenommen hatten: Sie haben Königsmacher gespielt.

Die Schwedendemokraten verhalfen dem alternativen Etat-Vorschlag der bürgerlichen Allianz zu einer Mehrheit, einem Zusammenschluss aus vier Parteien. Löfven zeigte sich empört. "Die Allianz hat nach der Pfeife der Schwedendemokraten getanzt", kritisierte er. Nun soll nach seinem Willen am 22. März neu gewählt werden.

Die Allianz konnte ihren Etat nur durchsetzen, weil die Rechtspopulisten ihn unterstützten. Da nützte es auch nichts, dass Sozialdemokrat Löfven und Grünen-Sprecher Gustav Fridolin die Opposition bei einem nächtlichen Treffen beschworen, sich gegen die ungeliebten Rechten zusammenzutun. Wechselnde Mehrheiten und Minderheitsregierungen sind in Schweden üblich, anders als in Deutschland.

"Wir werden die Schwedendemokraten niemals die Bedingungen der schwedischen Politik diktieren lassen", sagte der Grüne Fridolin. Die Allianz aber stellte die Ohren auf Durchzug. Nun ist es ihr Etat, mit dem Schweden 2015 regiert wird.

Die Rechtspopulisten, die bei der Parlamentswahl im September einen historischen Sieg eingefahren hatten, gaben sich am Mittwoch zwar triumphierend. Mit der Entscheidung, für den Allianz-Vorschlag zu stimmen, habe man "der stillen Mehrheit eine Stimme geben" wollen, tönte Fraktionschef Mattias Karlsson. "Wir wollen, dass die Wahl eine Volksabstimmung über die Einwanderung wird."

Zu einem besonders günstigen Zeitpunkt kommt die Neuwahl für die Zuwanderungskritiker aber nicht. Für ihren großen Star, den aalglatten Parteichef Jimmie Åkesson, hatte der letzte Wahlkampf im Burn-out geendet. Der 35-Jährige ist noch bis Ende Januar krankgeschrieben. Ob er bis zum nächsten Wahlkampf wieder fit sei, bleibe abzuwarten, sagt Karlsson.

Auch die Konservativen, die in der vorherigen Regierung mit Fredrik Reinfeldt den Ministerpräsidenten gestellt hatten, könnten besser dastehen. Der Ex-Regierungschef hatte nach der Wahlschlappe der Allianz im September seinen Rückzug als Parteivorsitzender der Moderaterna für das Frühjahr angekündigt. Am 7. März wollten die Konservativen eigentlich einen neuen Chef wählen - das wäre zwei Wochen vor der Neuwahl. Andererseits haben auch die Umfragewerte für Rot-Grün wegen der aktuellen Regierungskrise ein neues Tief erreicht.

"Stefan Löfven hat uns den Fehdehandschuh hingeworfen", twitterte die Chefin der Zentrumspartei, Annie Lööf, kurz nach der Ankündigung der Wahl. "Wir nehmen die Herausforderung ohne zu zögern an."

Mit Spekulationen darüber, für wen die Neuwahl von Vor- oder Nachteil sein könnte, taten sich Experten am Mittwoch schwer. Mit der für März angekündigten Wahl werden die Karten in dem skandinavischen Land nämlich nicht nur neu gemischt. Es ist für die Schweden auch eine historisch extrem ungewöhnliche Situation: Zum letzten Mal hatte es hier 1958 eine vorgezogene Neuwahl gewesen. Da war Regierungschef Stefan Löfven gerade einmal ein Jahr alt.