Hinter den Aufruf "Für eine humanere Asylpolitik" stellte sich eine ungewöhnliche Allianz von der Heilsarmee bis zur Linkspartei. Nun verlangen auch fünf der sieben Reichstagsparteien, dass alle bis Ende 2004 nach Schweden gekommenen Asylbewerber permanente Aufenthaltsgenehmigungen bekommen.
Von den 20 000 Betroffenen haben fast die Hälfte ablehnende Bescheide bekommen. Entweder warten sie teilweise länger als ein Jahr auf die Abschiebung oder leben völlig in der Illegalität. Zornig haben viele Schweden vor allem auf Berichte von schwerstkranken Kindern aus Asylbewerber-Familien reagiert. Etwa 150 werden derzeit als "apathische Flüchtlingskinder" behandelt.

Liberaler Deckmantel
Die Forderung nach einer Amnestie wenigstens für hiervon betroffene Familien lehnte Fachministerin Holmberg mit der Begründung ab, man animiere andernfalls Asylbewerber zum bewussten Missbrauch ihrer Kinder. Dieses von der sozialdemokratischen Minderheitsregierung mit Hilfe der oppositionellen Konservativen durchgesetzte Nein löste Empörung aus und führte zu mehreren Demonstrationen. Die Kritiker werfen Ministerpräsident Göran Persson vor, dass er unter dem Deckmantel einer liberalen Rhetorik die Schrauben bei den Asylverfahren in den vergangenen Jahren extrem angezogen hat. Neun von zehn Anträgen würden abgelehnt, heißt es im Aufruf von "Flüchtlingsamnestie 2005". Zehntausende seien abgetaucht und lebten unter katastrophalen Bedingungen.

Volk fordert Schlussstrich
Darunter solle man nun anlässlich neuer Verfahrensregeln für Asylanträge ab 2006 einen Schlussstrich ziehen und alle bis Ende 2004 eingeleiteten Verfahren durch Aufenthaltsgenehmigungen "auf null stellen". Das lehnt die Regierung ab. Doch der Druck der Bevölkerung nimmt zu.