"Unsere Strategie sieht klar eine Reduzierung unserer Kohlendioxidexponierung und eine Umstellung unseres Erzeugungsportfolios auf erneuerbare Energien vor", sagte der Vattenfall-Chef. Deshalb werden die Optionen für eine "nachhaltige und neue Eigentümerstruktur" des Braunkohlegeschäfts geprüft.

Das soll jedoch offenbar in enger Abstimmung mit den Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen geschehen. "Wir verstehen die gegenwärtige und künftige Bedeutung der Stromerzeugung aus Braunkohle für die regionale Wirtschaft und für Deutschlands Energiepolitik", sagte Hall.

In Fernwärme, Erneuerbarer Energie und Stromverteilnetzen will der schwedische Konzern aber in Deutschland aktiv bleiben.

Damit enden Spekulationen darüber, was die neue rot-grüne Minderheitsregierung in Stockholm mit ihrer kürzlichen Ankündigung meinte, dass Vattenfall seine Braunkohlensparte "nicht ausweiten" soll.

Mit dieser Entscheidung zerschlagen sich Hoffnungen der Grünen in Brandenburg und Sachsen, die an die schwedische Regierung appelliert hatten, den Lausitzer Braunkohlebergbau in eigener Verantwortung bis 2030 herunterzufahren.

In Schweden erzeugt Vattenfall mit Kernkraftanlagen und Wasserkraftwerken Strom. Der Konzern versucht seit Jahren, sich ein grünes Image zu verschaffen und seinen Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid zu reduzieren. Die Braunkohleverstromung passt nicht in diese Pläne.

Unklar ist, welche Preiserwartungen der schwedische Staatskonzern mit dem Verkauf der Tagebaue und Kraftwerke in der Lausitz verbindet. Vor ein bis zwei Jahren wurde über einen Preis von vier Milliarden Euro spekuliert. Der Energiekonzern braucht Geld, denn der Kauf des holländischen Energieunternehmens Nuon hat große Verluste in die Konzernbilanz gebracht.

2001 hatte Vattenfall die Lausitzer Gruben und Stromerzeuger samt der Strom-Übertragungsnetze in Ostdeutschland für 1,5 Milliarden Euro gekauft. Danach wurden etwa sieben Milliarden Euro Gewinn nach Schweden überwiesen.

In der Lausitz sind nach Unternehmensangaben rund 8000 Menschen direkt bei Vattenfall beschäftigt. Die Tagebaue fördern in diesem Revier jährlich etwa 55 Millionen Tonnen Rohbraunkohle, ein Drittel der gesamten deutschen Förderung. Die genehmigten Tagebaue reichen bei annähernd gleichbleibender Förderung bis etwa 2025-2028. Für Welzow-Süd II (Spree-Neiße) und Nochten (Görlitz) sind Anschlusstagebaue geplant. Die Genehmigungsverfahren dafür laufen.