Tomas Tranströmer zeigte als diesjähriger Träger des Literaturpreises in der laufenden Nobelwoche trotzdem viel Präsenz.

Für die traditionelle Vorlesung am Donnerstag hatte die Schwedische Akademie zu einem ausdrücklich so benannten „Alternativprogramm“ in den alten Stockholmer Börsensaal eingeladen. Weil der 80-jährige Lyriker seit seinem Schlaganfall 1990 nur noch einzelne Wörter wie „ja“, „nein“ oder „gut“ sagen kann, übernehmen Schauspieler die üblicherweise dem Preisträger vorbehaltene Rednerrolle.

Krister Henriksson, auch in Deutschland bekannt durch die Rolle als TV-Krimikommissar Kurt Wallander, rezitierte zusammen mit seiner Kollegin Kristina Adolphson Tranströmer-Gedichte. Weil der Preisträger leidenschaftlicher Musikliebhaber ist und mit seinem intakten Arm viel Klavier spielt, stand entgegen den sonstigen Nobelgepflogenheiten ein Kammerkonzert auf dem Programm. Für Tranströmer und seine Ehefrau waren Plätze in der ersten Reihe reserviert.

Seit der Bekanntgabe der Zuerkennung Anfang Oktober konnten die Schweden das freundliche und menschliche Wärme ausstrahlende Gesicht ihres schwerbehinderten Nobelpreisträgers überraschend oft im Fernsehen und anderen Medien anschauen. Zuvor hatte es jahrelang geheißen, die Akademie scheue vor einer Vergabe des begehrtesten Literaturpreises der Welt an den heimischen Lyriker auch zurück, weil das den kranken, alten Mann zu sehr aufregen würde. Aber davon war in dieser Woche nicht das Geringste zu spüren. Die Schwedische Akademie hat den in aller Welt von Kollegen, Lesern in mehr als 60 Sprachen und Kritikern gleichermaßen verehrten Künstler mit dem Nobelpreis 2011 ausgezeichnet, „weil er uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen zeigt“. In einem Haiku schreibt Tranströmer: „Schaut, wie ich sitze wie ein an Land gezogener Kahn. Hier bin ich glücklich.“