Auch wenn der Regen in diesem Sommer zur Mangelware mutierte, die nächste Hochwasserflut kommt sicher irgendwann. Um auf deren Folgen gut vorbereitet zu sein, bildet die Bundeswehr am Fliegerhorst Holzdorf Reservisten aus, die sich gezielt der Hilfe im Katastrophenfall widmen.

Gleichmäßig und rhythmisch kreisen die Rotorblätter, zerschneiden die vom Aufbäumen des Sommers aufgeheizte Luft. Kenneth Kupott und Tuan Nguyen, Reservisten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanie Sachsen (RSU), stehen unter dem Hubschrauber CH-53GA. Sie kämpfen gegen den Wind an, den die Maschine erzeugt. Zwei Triebwerke mit je 4330 PS sorgen für die nötige Kraft, um den elf Tonnen schweren Transporthubschrauber in der Schwebe zu halten. Die beiden Sachsen, im Zivilleben Studenten an der Universität Leipzig, haben die Aufgabe, eine Außenlast am Helikopter zu befestigen. Viel Zeit bleibt ihnen dafür nicht. Das bis zu sieben Meter lange Gehänge greifen, wegen statischer Aufladungen erden und anschließend die Außenlast am Spezialhaken befestigen. Ein Arbeitsgang, der keine zwei Minuten dauert. Den Kopf gesenkt, laufen die beiden Oberstabsgefreiten in die sichere Deckung zurück. Währenddessen hebt die von Oberleutnant Jens Christian geführte Besatzung der Maschine den vier Tonnen schweren Betonklotz vom Boden und gleitet in geringer Höhe davon, um schon nach kleiner Platzrunde erneut an gleicher Stelle einzuschweben. Die Last wird abgesetzt, eine neue gefasst. Dieses Mal sorgt ein anderes Team für deren Befestigung.

Ideal für den Fluteinsatz

Maschinen des Typs Sikorsky CH-53 sind Arbeitstiere, konzipiert für das Bewegen von Mensch und Material. Und damit ideal, um bei der Hochwasserhilfe zum Einsatz zu kommen. Ohne die Unterstützung der Bundeswehr wären örtliche Hilfskräfte von Feuerwehr und THW vielerorts nicht in der Lage, steigende Fluten im Zaum zu halten, gebrochene Dämme schnellstmöglich zu reparieren. Wenn die Soldaten im Katastrophenfall angefordert werden, fehlt ihnen oft ein entscheidendes Kriterium - Ortskenntnis. "Unsere Soldaten kommen aus den unterschiedlichsten Regionen, kennen sich dort bestens aus und sind den Besatzungen der Hubschrauber somit eine große Hilfe", erläutert Oberstleutnant Tobias Krösel. Der Dresdner ist wie seine Kameraden Reservist und zugleich Kompaniechef im RSU. Um für den Ernstfall optimal geschult zu sein, absolvieren die Soldaten in regelmäßigen Abständen Wehrersatzübungen. In Holzdorf wurde ihnen das richtige Verhalten unter dem Helikopter vermittelt, den Vorgang des Erdens, des Anhängens der Last. Auch das korrekte Packen von Außenlastnetzen stand auf dem Programm. "Die Männer sind wichtig für uns, ermöglichen einen merklichen Zeitvorschub im Katastrophenfall", sagt Hauptfeldwebel Sebastian Bahr. Sein Job ist es, Piloten und Unterstützungssoldaten der Holzdorfer Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 für den Transport von Außenlasten zu schulen. Für die aktiven Soldaten eine Routinearbeit. Erst vor wenigen Wochen wirkten sie nahe Herzberg an der Bekämpfung eines Waldbrandes mit, verhinderten eine weitere Ausbreitung des Feuers durch Entleeren von Löschbehältern aus der Luft.

Wollen Kontakt zur Truppe halten

Etwa 200 Mann soll die Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie einmal fassen. Zu ihr stoßen Männer und Frauen, die ihren Wehrdienst beendet haben, aber dennoch Kontakt zur Truppe halten wollen. Zudem, ergänzt Kenneth Kupott, habe man die Gewissheit, im Notfall aktiv helfen zu können. "Das übersteigt die Möglichkeiten der zivilen Hilfe um ein Vielfaches", sagt er. Auch Tuan Ngyuen, 24-jähriger Wirtschaftsstudent aus Leipzig, sieht sich dank des Trainings in Holzdorf für kommende Ereignisse gut gewappnet.

Wer als Reservist dient, opfert nicht nur einen Teil der persönlichen Freizeit, er braucht auch verständnisvolle Arbeitgeber. "Nur wenn sie ihr Einverständnis geben, dürfen die Soldaten ihre Wehrübungen leisten oder im Katastrophenfall helfen", unterstreicht Krösel. Mitunter fehle diese Bereitschaft aber, fügt er bedauernd an.