Etwa 60 Journalisten aus Deutschland, Schweden, Dänemark, Großbritannien und Polen sowie rund 500 internationale Gäste waren dafür in die Lausitz gekommen.

Wie schon beim ersten Spatenstich für die Vattenfall-Pilotanlage zur Kohlendioxid-(CO 2 -)Abscheidung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Mai 2006 präsentierte sich der Industriestandort Schwarze Pumpe im schönsten Sonnenlicht. Das hob die Stimmung und ließ das kleine Häuflein protestierender Umweltschützer vor der Vattenfall-Kraftwerkszufahrt vorzeitig schmelzen. Die im Vorfeld von Robin-Wood-Aktivisten anberaumte Pressekonferenz fand nicht statt – weil die Aktivisten nicht da waren. So blieb es dem guten Dutzend Vertreter der Klima-Allianz überlassen – aufmerksam bewacht von Polizei, Bundesgrenzschutz und einem privaten Sicherheitsunternehmen – gegen das Versuchskraftwerk des Energiekonzerns zu protestieren.
„Wir lassen uns nicht verkohlen“ skandierten die jungen Frauen und Männer aus der Lausitz und Berlin in die Kameras und: „CCS-Technologie – wirklich sicher wird sie nie“ . „Wir protestieren, weil Vattenfall eine unfertige Technologie wie eine fertige preist. Es wird sich erst noch zeigen, ob sie im großtechnischen Maßstab funktioniert“ , erklärte René Schuster von der Grünen Liga Brandenburg.
Bis 14 Uhr wollten die Umweltschützer ausharren, doch als Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Nachmittag zum offiziellen Akt vorfuhr, war das kleine Stück grüne Wiese schon geräumt.
Platzeck oblag es denn auch, Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU), der wegen eines verunglückten Schweinetransports im Stau steckte und deshalb kurzfristig sein Kommen absagte, in Schutz zu nehmen: „Brandenburger Schweine, Schlachtschweine, haben ihn verhindert“ , formulierte er und ermunterte zu „mehr Mut zur Brandenburger Landstraße, so kommt man durch“ . Der Tenor passte zur gelösten Heiterkeit, die das Festzelt prägte.
„Die Sonne scheint und heute wird hier Industriegeschichte geschrieben“ , betonte Tuoma Hatakka, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe. Die Pilotanlage sei der Beweis, dass die CO 2 -Abscheidetechnologie „Realität ist“ . „Die Kohle hat Zukunft, Kohlendioxid soll und wird keine haben“ , frohlockte Hatakka. Am vergangenen Donnerstag habe die in zweijähriger Bauzeit für 70 Millionen Euro errichtete Anlage erstmals CO 2 abgeschieden. Und das mit einer Rate von 99 Prozent. Ziel sind 99,7 Prozent.
In der Pilotanlage mit einer Leistung von 30 Megawatt wird kein Strom erzeugt, sondern Wärme. Ziel ist, die Prozesse der von Vattenfall favorisierten Oxyfuel-Technologie zu optimieren. Dafür wird Vattenfall laut Hatakka in den nächsten fünf Jahren weitere 20 bis 30 Millionen Euro investieren. Die Pilotanlage soll nach Abschluss der Testphase für Braunkohle das Verfahren auch für Steinkohle prüfen. Bis 2020 soll die großtechnische Serienreife erreicht sein.
Durch die Aufschaltung der CO 2 -Abscheidetechnik verliert ein Kohlekraftwerk Leistung – ähnlich einem Auto, wenn die Klimaanlage eingeschaltet wird. Das wird von Umweltschützern heftig kritisiert. Doch „wir arbeiten längst an der Antwort, so wie wir bereits seit zehn Jahren, also lange bevor die Klimaschutzdebatte und der Streit um den Bau neuer Kohlekraftwerke begonnen hat, an der Technologie zur CO 2 -Vermeidung forschen“ , betonte Vattenfall-Konzernchef Lars Göran Josefsson. Er verwies auf Forschungsprojekte wie die Braunkohlevortrocknung und das 700-Grad-Kraftwerk, für die der Konzern weitere rund 150 Millionen Euro aufbringt. „Wir sind bereit, Milliarden in den Klimaschutz zu investieren. Dafür brauchen wir aufseiten der EU und der Länder verlässliche Rahmenbedingungen und Unterstützung“ , appellierte Josefsson mit Blick auf den noch fehlenden rechtlichen Rahmen zum CO 2 -Transport und zur unterirdischen Speicherung. Das CO 2 aus Schwarze Pumpe soll in einem nahezu ausgebeuteten Erdgaslagerfeld von Gaz des France in der Altmark verpresst werden – ebenfalls in einem Pilotversuch. Der Transport erfolgt per Spezial-Lkw durch die TSS Schwarze Pumpe.
Pro Tag kann die Anlage bis zu 100 000 Tonnen Kohlendioxid abscheiden. Dies entlastet die CO 2 -Bilanz von Vattenfall in der Lausitz noch nicht, wie Reinhardt Hassa, Vorstandschef Bergbau und Kraftwerke, sagte. Erst wenn das Demonstrationskraftwerk in Jänschwalde „ab spätestens 2015“ läuft, werde diese sich verbessern. Vattenfall bläst in der Region pro Jahr mehr als 50 Millionen Tonnen CO 2 in die Luft.
Der stellvertretende Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Ulrich Freese unterstrich, dass die Pilotanlage „nicht umstritten“ sei. „Es ist eine gewollte, von den Berg- und Energiearbeitern in der Lausitz gewünschte Anlage, die Zukunft bringen wird.“