„Mehr Kontrollen auf Baustellen“ fordert die Gewerkschaft IG Bau. Anlass ist eine aktuelle Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Grüne). Demnach haben alleine im Bereich der für die Lausitz zuständigen Hauptzollämter Frankfurt (Oder) und Dresden Kontrollen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Schaden von 7,7 Millionen Euro ergeben – nur in der Baubranche.

Insbesondere Beschäftigte aus Osteuropa würden häufig um den Lohn gebracht, der ihnen zustehe. Am Ende komme das den Steuerzahler teuer zu stehen. „Bei Schwarzarbeit und Mindestlohnverstößen geht dem Staat richtig Geld verloren: Steuern und Sozialabgaben – also Beiträge, die der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fehlen“, sagt Regina Grüneberg von der IG Bau Südbrandenburg

Schwarze Schafe gebe es immer. Deshalb sollten die Zollbeamten, die unter anderem in Cottbus ihre Zentrale haben, noch stärker kontrollieren.

Bei der zuständigen Finanzkontrolle des Zolls rennt die Gewerkschaft damit offene Türen ein. 91 Baufirmen wurden im ersten Halbjahr bereits kontrolliert. Der neue Leiter der Gruppe in Cottbus, Guido Eßer, hat bereits vor Monaten angekündigt, den Fokus verstärkt auf organisierte Kriminelle im Bereich der Schwarzarbeit zu legen. „Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt“, sagte Eßer der RUNDSCHAU. Dem Fiskus seien allein im vergangenen Jahr durch Schwarzarbeit rund einer Milliarde Euro entgangen. Ein Zweig der organisierten Kriminalität habe sich darauf spezialisiert, billige, illegale Arbeitskräfte nach Deutschland zu bringen, sie hier auszubeuten und das Ganze über falsche Rechnungen, Firmengeflechte und Aufträge zu vertuschen.

Die Forderungen der Gewerkschaft gehen ohnehin eher in Richtung Politik. Sie soll das Personals des Zolls weiter ausbauen. „Die IG Bau fordert bundesweit mindestens 10.000 Beamte für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll“, so Peter Schubert von der IG Bau Ostsachsen. „Die Bauwirtschaft bleibt im Branchenvergleich ein Hotspot krimineller Energie.“

Erste Schritte dahin sind bereits unternommen. 1400 zusätzliche Stellen hat die Bundesregierung dem Zoll Ende Juni bewilligt. In der aktuellen Haushaltsdebatte sollen weitere folgen.

Wie arbeitet die Finanzkontrolle Schwarzarbeit in der Lausitz? Lesen Sie hier mehr dazu.

Fahnder des Zolls in Cottbus Im Kampf gegen die Schwarzarbeit

Cottbus