Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte ihre Anhänger auf dem Bassinplatz versammelt, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) im Lustgarten hinter dem Mercure-Hotel. Der Tonfall beider Kundgebungen war erstaunlich ähnlich: Zu Beginn der letzten Wahlkampfwoche schworen die Parteigrößen ihre Anhänger auf eine heiße letzte Wahlkampfwoche ein.

"Wir haben uns sehr gefreut über das Ergebnis von Horst Seehofer in Bayern", sagte Merkel. "Das hat uns Motivation gegeben, in den letzten Tagen nun noch härter zu kämpfen." Allen Forderungen nach einer Zweitstimmenkampagne für die FDP erteilte sie in Potsdam eine Absage: "Jeder kämpft für seine Politik und wir sind unterschiedliche Parteien", sagte Merkel.

"Wir möchten gerne die Koalition fortsetzen, aber die CDU hat keine Stimme zu verschenken - und deswegen kämpfen wir auch um Zweitstimmen für die CDU."

Als sie über den Veggie-Day der Grünen herzieht, ertönen Sprechchöre und Trillerpfeifen. Die politische Konkurrenz versucht, zu stören - doch die Kanzlerin lässt sich nicht irritieren.

Merkel redet über das Unternehmertum. "Die Sozialdemokraten und die Grünen sagen: Wenn Leute als Unternehmer erfolgreich sind, erhöhen wir denen erst einmal die Steuern", so Merkel. "Und wir sagen: Diejenigen, die Arbeitsplätze schaffen, sollen erfolgreich sein, weil daraus die Arbeitsplätze für die nächste Generation entstehen."

Während Merkel noch auf dem Bassinplatz sprach, sang im Lustgarten schon Roland Kaiser. "Das Rennen ist offen", hatte der Brandenburger SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier dort zuvor seinen Anhängern zugerufen. Doch große Reden gab es an diesem Abend nicht: In einem Talkshow-Format antworteten die Spitzenpolitiker auf Fragen aus dem Publikum.

Mehr Engagement in der Bildung, eine Besserstellung der Kommunen, ein gesetzlicher Mindestlohn waren die Forderungen, für die es den obligatorischen Applaus gab.

"Die Stimmung ist gut", sagte SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz der RUNDSCHAU. "Unser Wahlziel ist es, stärkste Partei im Land zu werden." Die SPD wolle alle zehn Wahlkreise gewinnen. Und die anderen Parteien? Die Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock kündigte gegenüber der RUNDSCHAU an, in der letzten Woche des Wahlkampfs die Energiewende stärker in den Mittelpunkt stellen zu wollen.

Ähnlich äußerte sich auch FDP-Landeschef Gregor Beyer. "Ich werde als Kommandant auf diesem Schiff jeden, der sich mit irgendwelchen Analysen beschäftigt, persönlich daran erinnern, dass wir uns mitten im Gefecht befinden", so Beyer. "Die Marschrichtung ist eindeutig: Kämpfen, kämpfen, kämpfen!"

Was bei der Brandenburger Linken sogar bis zur letzten Minute der Fall sein wird: Noch am kommenden Wochenende soll es einen 48-Stunden-Powerwahlkampf geben, sagte Wahlkampfchef Matthias Loehr. Und noch am 21. September werden in Brandenburg (Havel) Gregor Gysi und die Linken-Spitzenkandidatin Diana Golze den Wahlkampf in Brandenburg endgültig beenden.